schien ein unglückliches Geschöpf anzudeuten, welches den Schutzseiner Eltern verloren hatte, ohne ein gesetzmäßiges Recht aufden ihres Gatten zu erlangen. Er ward deßhalb etwas ängst-lich, als Herr MiddlemaS nach einer ziemlich langen Unter-redung mit der Dame ihm Lebewohl sagte. Allerdings gaber ihm die Versicherung, daß er in zehn Tagen wiederkehrcnwürde; dieß war nämlich der kürzeste Zeitraum, welchen Grayfür die Aussicht einer sicheren Reise für die Dame sestzusetzenbewogen werden konnte.
«Ich hoffe, bei Gott, daß er zurückkchren wird," dachteGray; „in allem dem ist zu viel Geheimniß, als daß dieSache in einfacher und wohlmeinender Weise abgemacht würde.Wenn er dies arme Ding ebenso zu behandeln beabsichtigt,wie manches arme Mädchen früher behandelt wurde, so hoffeich, daß mein Haus nicht den Schauplatz bieten wird, wo ersie zu verlassen beabsichtigt. Der Umstand, daß er das Geldzurückläßt, hat etwas Verdächtiges und sieht aus, als ob meinFreund eine Ausgleichung mit seinem Gewissen treffen wollte.Wohlan, ich muß das Beste hoffen, mittlerweile ist es meinePflicht, alles Mögliche zu thun, was ich zum Wohl der armenDame thun kann."
Herr Gray besuchte seine Kranke bald nach der Abreisevon Herrn Middlemas, und zwar so bald er Zutritt erhaltenkonnte. Er fand sie in heftiger Aufregung. Gray's Erfah-rung ließ ihn den besten Weg zu ihrer Beruhigung einschlagcn;er ließ ihr das Kind bringen. Sie weinte lange Zeit, unddie Heftigkeit ihrer Aufregung legte sich unter dem Einflußmütterlicher Gefühle, die sie nach ihrem Aeußcren, welchesdie früheste Jugend bezeugte, zum ersten Male empfindenmußte.
Der beobachtende Arzt konnte nach diesem heftigen Anfall