Viertes Kapitel.
Vergeblich blickten Elspats Augen auf den entfernten Pfadvom frühesten Lichte des Morgens bis zum spätesten Schim-mer der Abenddämmerung. Kein sich erhebender Staub er-weckte die Erwartung von nickenden Federn und schimmerndenWaffen; der einsame Reisende zog unbekümmert in seinembraunen niederländischen Rock und dem schwarz- oder rothge-färbten Mantel vorüber — Letzteres dem Gesetz gemäß, wel-ches die bunten Farben der gewürfelten Kleidung untersagte-Der gesunkene Muth des Galen, welcher durch die strengen,obgleich vielleicht nothwendigen Gesetze gebrochen war, die ihmdas Tragen seiner Kleidung und seiner Waffen untersagten,und ihm nach seiner Meinung ein Geburtsrecht nahmen —dieser gebrochene Mut- zeigte sich in dem gesenkten Haupteund dem Ausdruck der Niedergeschlagenheit bei dem Vorüber-ziehenden. Bei solchen Wanderern mit gedrückter Stimmungerkannte Elspat nicht den leichten und freien Schritt ihresSohnes, der nach ihrer Voraussetzung gleichsam wie neuge-boren ein jedes Zeichen sächsischer Sklaverei abgeworfen habenwürde. Jede Nacht warf sie sich, wen» die Dunkelheit kam,auf ihr ruheloses-Strohlager, nicht um zu schlafen, sondernum zu wachen. Die Tapfern und Furchtbaren, dachte sie,gehen bei Nacht umher — ihre Schritte werden im Dunkelnvernommen, wenn Alles schweigt, mit Ausnahme des Wirbel-windes und Wasserfalles — das furchtsame Reh kömmt her-vor, wenn der Sonnenschein auf den Gipfel des Berges fällt,allein der kühne Wolf wandelt im röthlichen Lichte des herbst-