Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
391
Einzelbild herunterladen
 

391

Doch zur Sache.

Die Königin Johanna hatte den Verstand verloren. IhrSohn Karl, damals noch sehr jung, nachmals als Kaiser Karl v.berühmt geworden, verfuhr sehr eigenmächtig. Er war meistensvon Flamändern umgeben, die ihn und durch ihn Spanien regierten.Mit Widerwille» ertrugen die Eingeborncn die Herrschaft der Fremd-linge. Niemand konnte sich leicht dem Könige nahen, ohne ihreErlaubniß, noch mit ihm ohne ihre Gegenwart sprechen. Die zuValladolid versammelten Eortes hatte er geuöthigt, ihm eine frei-willige Gabe von bl>0,000 Dukaten binnen drei Jahren zu zahlen:eine Summe, die mau nie vorher so stark einem kastilianischcuKönige bewilligt hatte. Fester widerstanden daher die Eortes vonAragonien und Katalonien seinen unmäßigen Geldbegehren, kleber-all brachte man Klagen wegen Vermehrung der Auflagen, wegenAnstellung von Ausländern und wegen Wegführung des baarenGeldes in die Fremde. Der König achtete darauf gar nicht. Erward in derselbe» Zeit, da er noch zu Barcelona mit den Ständenunterhandelte, von den deutschen Kurfürsten zum Kaiser erwählt.Die Spanier sahen dies für ihr Vaterland als ein öffentlichesUnglück an. Sie brachten den Muth der Cortes von Kastilien i»Eriunerung, die einst dem König Alphouso dem Weisen untersagthatten, das Reich zu verlassen, um sich in Deutschland zum Kaiserkrönen zu lassen. Karl aber, vom Ehrgeiz berauscht, kümmerte sichwenig um das Murren des Volks. Papst Leo hatte ihm, zur Füh-rung eines Türkenkriegs, den Zehnten von allen Einkünften derGeistlichkeit Kastiliens bewilligt. Die Geistlichkeit verweigerte deinrömischen Stuhle Gehorsam. Leo that sie in Baun. Aber seinInterdikt war so fruchtlos, daß Karl den Papst selbst ersuchenmußte, das Interdikt wieder aufzuhcbeu.

Er verließ Spanien (1519) und ging nach Deutschland, un-geachtet der valencianische Adel erklärte, laut Grundgesetzen der