377
Bei Halbbarbaren gilt die Klugheit Alles in weltlichen Dingen,die Religio» darin nichts, sondern nur für das Lebe» nach dein'Tode.
Bei Völkern, die auf höher» Bildungsstufen stehen, sogenanntenzivilisirten, streiten Moral nnd Politik nm den Vorrang, und dieReligion wird schon zu Hilfe genommen. Doch dient sic der Klug-heit nur noch als Magd, bei Eiden, Verträgen, Friedens-,Kriegs- und Handelsbündnissen, entweder zur Ergänzung derFörmlichkeiten, oder zur Blendung der Völker.
Wenn die heilige Beziehung der Völker und Fürsten zu Gott,wenn ein religiöser Sinn dereinst die Verträge und Bündnisseschließt, und die Klugheit bloß, als Magd, dabei dient, dann wirddie menschliche Gesellschaft eine» Riesenschritt zur Selbstvollendungnnd dauerhafte» Glückseligkeit gcthan haben. Den» Klugheit hatauch die Bestie; Religiosität allein der höhere Mensch, als un-sterbliches Wesen. Das Göttliche ist die Krone des GeisterthumS.
Die D u n k e r s.
Bekanntlich haben die vereinigten Freistaaten Nordamcrikä'sdie Billigkeit, Jeden durch seinen ihm beliebigen, alleinselig-machenden Glauben selig werden zu lassen, ohne ihn wegen desHimmels gottesfürchtig auf Erden zu verfolgen. Da sicht manden» auch die mannigfaltigsten Religionen und Sekten. Merk-würdig sind die Dunkcrs, die man in »nserm Europa kaum demNamen nach kennt. Larochesaucauld-Liancourt, in seinerReisebcschreibung Vom Jahr 1795, gibt uns Von diesen seltsamenGläubigen Nachricht. Er fand sie in einer ihrer Niederlassungen,bald »ach seiner Abreise von Philadelphia, zwischen Neading undLancaster. Am besten, ich lasse ihn selbst erzählen.
Zsch. Gcs. Schr. 35. Thl. 16*