Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
354
Einzelbild herunterladen
 

384

sucht und Stärke der verschiedenen Stände gegenseitig bewacht undbeschränkt; wo ein stehendes Heer im Dienst der Monarchen dasAnsehen der Gesetze, der Behörden und Einrichtungen cmporhält,und die ersten Meutereien mit Bayonetten und Kartätschen ver-tilgt. Sticht also ist's bei uns. Hier hat das Volk mehr Einfluß;es ist beweglicher, reizbarer und darum noch nicht verständiger, alsin Monarchien. Durch Preßfreiheit und Oeffentlichkcit würde alsodie Stimmung des Volks gefährliche Richtung erhalten. Es würdemit der Achtung öffentlich getadelter Obrigkeiten und Gesetze denGehorsam gegen dieselben aufgeben und Revolutionen herbeiführcn,die in Republiken leicht, in Monarchien schwer zu machen sind.In Republiken, wo jeder Staatsbürger zu den höchsten Aemternaufsteigcn kann, gibt es der Unzufriedenen mit den Obern weitmehr, als in Monarchien, wo des Ehrgeizes Ungestüm durch dieunveränderliche lange Straße der Dienst- und Aemterfolge ge-brochen wird." Könnte nicht so ein republikanischer Staats-mann sprechen?

Und dennoch, was gewannen nicht, statt zu wagen oder zu ver-lieren, die österreichischen und preußischen Monarchien, als KaiserJoseph II. und der große Friedrich Freiheit des Gedankens,des Wortes und der Druckschrift gestatteten? In den nordamcri-kanischen Freistaaten ist die Preßfreiheit so alt, als die Freistaa-ten selbst find. So bezeugen Vernunft und Geschichte im Ein-klang: daß Geistesfreiheit die Stärke und Blüthe der Staaten be-fördert, und Furcht vor dieser Art Freiheit das Dasein von Fesselnverräth, welche entweder von den Magistraten getragen werden,oder die sie den Unterthanen anlegen möchten.