Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
353
Einzelbild herunterladen
 

853

will man eine andere Staatsvcrfassung, Diese kann unser Landes-herr nicht wollen. Ei» anderes ist's bei kleinern Staaten; daist's nicht nothwendig, daß die Bande der Ordnung so scharf an-gezogen sind. Eine Kompagnie läßt sich leichter übersehen undführen, und macht ihre Sache, wenn auch Soldaten darin räson-niren; nicht so in einer Armee von fünfzig- oder hunderttausendMann, in welcher man sich schwerer mit einander verständigenwürde, wenn Jeder das Wort führen wollte. Man muß nichtEngland oder Frankreich nennen. Beide sind ein glücklichesoder unglückliches Gemisch von Monarchie und Republik. In Re-publiken ist man schon an Oeffentlichkeit gewöhnt; ja sie muß statt-finden, wenn die Republik nicht aufhören, und der freie Staat zueiner despotischen Oligarchie verkrüppelt werden soll. I» den Re-publiken ist das Volk zum freien Sprechen und Schreiben berech-tigt; muß es sein; findet darin das Palladium seiner Freiheit undder Sicherheit seiner Gesetze, denen es bei allem Lärmen dennochgehorcht, weil es aus Erfahrung die Gräuel der Gesetzlosigkeitkennt. So ist's bei uns nicht. Bei uns würde das Volk baldvom unbesonnenen Reden zum unbesonnenen Handeln übergehen.Unser Volk ist zum Schweigen und Gehorchen gewöhnt, und be-fand sich bisher wohl dabei; es kennt die Abscheulichkeiten und Lei-den der Anarchie noch nicht aus Erfahrung; um so weniger würdedas ungebrannte Kind das Feuer scheuen, wenn es schon aus Er-zählungen wüßte, daß das Fener brenne."

Für und wider Alles in der Welt lassen sich Gründe und Ge-gengründe machen. Was aber in der Natur der Dinge ist undsein muß, das macht sich, allen Gründen und Gegengründen zumTrotz, endlich doch von selbst.

Könnte nicht auch ein republikanischer Staatsmann sagen:Aufkeinen Fall taugt Preßfreiheit bei uns. In Monarchien mag sieunschädlich sein, wo Alles fest geregelt steht; wo sich die Eifer-Zsch. Ges. Schr. 35. Thl. 15*