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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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Im Grund hatte der Kardinal zu Jmola nichts gesagt, dessensich ein verständiger Mann zu schämen hätte. Aber daß er, alsPapst, denn doch oft geradezu von dem das Gegentheil sagte,was er als Kardinal gepriesen, und sogar der Philosophie denKrieg machen wollte, während der Kardinal sogar den heiligenAugustinus mit Auszeichnung den Philosophen geheißen hatte,das mag ein Lächeln erregen.

Man muß nicht glauben, daß zwischen der entgegengesetzte»Weltansicht des Kardinals und des Papstes ein langer Zeitraumverstrichen wäre. Nein, es war nur ein Zwischenraum von sieben-undzwanzig Monaten. Auch muß man nicht glauben, daßer, wie mancher Andere, in jugendlicher Begeisterung billigte, waser im reifern Alter, bei genauerer Kenntniß der Welt und desLebens, mit bedenklichem Kopfschütteln unterläßt. Nein, er warin dem Alter, wo die Täuschungen der Einbildungskraft verschwun-den sind. Er zählte zu Jmola schon mehr denn fünfundfünfzig Jahre.

Wie wir uns die Verwandlung in den Grundsätzen erkläreilsollen? Ganz einfach dadurch, daß der Kardinal wohl gern Papstgeworden wäre (und es auch durch den Einfluß des damals überItalien und Rom gebietenden Frankreichs, den 14. März 1800,ward), aber der Papst nicht mehr Kardinal, sondern Papst seinwollte. Von nun an arbeitete Pius VII., die weltliche Herrschaftseiner Vorgänger wieder herzustellen, nicht im Kirchenstaate allein,sondern, durch das starke Gewebe der kirchlichen Hierarchie, auchin fremden katholischen Ländern. Es mißlang ihm. Kaiser Na-. poleon war kein Kaiser Heinrich iv., und das neunzehnte nichtmehr das eilfte Jahrhundert. Pius VII. schleuderte in einem ein-zigen Jahre, ja in einem einzigen Monate (Juni 1809) sogar,zwei Bannbullen gegen Napoleon, die aber auf Europa un-gefähr dieselbe Wirkung machten, wie der Anblick der mit Pfeilenund Bogen bewaffneten Asiaten bei der russischen Armee auf das