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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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Gefangenschaft entführte, sah mit dem Erstaunen der Bewunderungdie heitere Ruhe des Helden. In der engen, feuchten, ungesundenHütte von Longwood war er derselbe, wie man.ihn in St. blondund in den Tuilericn gesehen hatte. Seine Ueberwinder schienendie königliche Würde, die sie selbst trugen, an ihm entweihen underniedrigen zu wolle»; er glaubte in St. Helena kein edleres Ge-schäft mehr übernehmen zu können, als vor den Augen der Na-tionen diese Würde unentweihbar zu halten. Für die gemeine Be-handlung, die er litt, hatte er Unwillen; aber wenn eine Thränesein Auge verdunkelte, ein Seufzer seinen Lippen entschlüpfte, wares nur unter dem Gedanken an Frankreich, an seine Gemahlinund an seinen Sohn. Er lebte, wie sein eigener Schatten, nochim Schattenreiche großer Erinnerungen; aber er fand da auch,wovon zu leben war. Er hatte keine Krone, aber noch Freunde,getreu bis in den Tod, wie sich deren mit solcher Gewißheitschwerlich diejenigen rühmen können, welche auf den Thronensitzen. Und die ihm freiwillig in das hoffnungslose Elend folgten,sind von der Welt als tugendhafte und liebenswürdige Menschenanerkannt. Wir haben aber noch nie gehört, daß liebenswürdigeund tugendhafte Personen Freundschaft mit einem unedeln Men-schen, ja wohl gar mit einem gefühllosen Bösewicht geschloffen,geschweige dieser Freundschaft ihr Lebensglück geopfert hätten.

Weder Friedrich der Große noch Napoleon waren frei von Feh-lern. Doch dürfen wir ihnen nicht alle diejenigen zurechnen, welchein ihrem Namen von boshaften oder ungeschickten Dienern begangenworden sind. Friedrich wie Napoleon würden als Privatmännernicht minder achtungswürdige Personen gewesen sein, wie ans demThron. Der beleidigte Nationalstolz überwundener Völker kan»das Richteramt nicht führen, so wenig, als der Maßstab, welchender gewöhnliche Mensch aus der engen Welt seiner Verhältnisseund Begriffe entlehnt, an ihre Größe gelegt werden darf.