Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
309
Einzelbild herunterladen
 

309

Oesterreichs sieggewohnte Feldherren und Krieger mit einem kleinen,durch Niederlagen und Entbehrungen aller Art fast entmntheteuHeere. Jener nahm Schlesien, dieser Italien. Europa erstaunteüber die Wunder beider.

Der französische Monarch, sobald er seinen Thron bestiegenhatte, wollte Frieden, um das von zwölfjährigen Kriegen undStaatsumwälzungen verwilderte Reich neu zu ordnen. Er trugselbst den Frieden seinem unversöhnbarcn Feinde, England, an,doch vergebens. Er ward durch England und Oesterreich zu neuenFeldzügen gezwungen. Friedrich hinwieder, nach der Thronbe-steigung, wollte Krieg. Es fehlte ihm an dringendem Vorwand.Er suchte ihn aus alten Pergamentbriefen, und fand, daß einstKurfürst Friedrich Wilhelm die Fürstenthümer Liegnitz, Brieg undWohlan geerbt, aber an Oesterreich für den Schiebuser Kreis ab-getreten, zuletzt jedoch auch nicht einmal diesen empfangen hatte.Dafür nahm er nun, als Eroberer, das gesammte Schlesien nebstder Grafschaft Glatz für sich.

Friedrich wie Napoleon wurden die größten Feldherren ihrerZeit. Beide schufen eine neue Kriegskunst, indem sie das Bishe-rige vollendeter ausbildeten; beide waren im Nuffassen der Be-gebenheiten und Verhältnisse, im Benutzen der Gelegenheit, imWuchern mit Augenblicken gleich bewundernswürdig, so wie in derSchlacht durch Ruhe, durch richtigen Wurf ihres Blicks, durchGeistesgegenwart in der Noth, durch Neuheit der Gedanken, mitdenen sie den Feind überraschten, durch Kunst, den höchsten Gewinnans Oertlichkeit, Waffenart und Stimmung des Heeres zu ziehen.Während Feldherren noch heute Friedrichs und Napoleons Schlach-ten studiren, wollen wir den Stubengelehrten gern das Vergnügengönnen, sich den Letztem wie einen unsinnigen Dschingiskhan zudenken, der seine Horden blindlings vortreibt und mit Verachtungdes Menschenlebens und Hinopfernng von Tausenden seine Siege