305
Städten, oder dessen riesenhafte Prachtwerke, (Leuts - und Simplon-siraßen, Kanäle und Hafenbanten.
Neber alle andern Gemüthsvermöge» weg aber immer in bei-den der Verstand vor; ja nur zu seiner Unterstützung schienen sichin ihnen alle übrige» besonders entwickelt zu haben. Wie hättensic ohnedem, als Verwalter großer Reiche und Ordner großerSchicksale, ihre Aufgabe übernehmen und lösen können, wie siesic löseten? Selbst die angenehmsten der menschlichen Gefühle,selbst die Neigungen der Freundschaft und Zärtlichkeit, selbst dieAusbrüche der Freude, des Schmerzes, des MitlcidenS und derWehmuth waren in beiden der Herrschaft und den Berechnungendes Verstandes eben so untergeordnet, wie ihrer Gcistesthätigkeites der Schlaf oder das Essen und Trinken Ware».
Es dürste schwer zu entscheide» sein, ob Friedrich oder Na-poleon mehr Gemüthlichkeit besaß. Wenn jener gleich Dichterwar und Tvnkünstler, ward er doch von diesem an Reizbarkeitübertroffen. Man sah Napoleon oft tief erschüttert, oft zuThränen bewegt; im Umgang mit seinen Vertrauten oft innig undherzlich, und ein rührender, schöner Zug bleibt ewig, daß er ansSt. Helena leichter den Verlust der Weltherrschaft vergaß, als erdie Trennung von seiner Gemahlin und seinem Kinde verschmerzenkonnte. An ihren Bildnissen und Büsten hing in der Sterbestundeder treue Blick seiner brechenden Augen fest.
Wir sollen es nns nicht verhehlen, daß die Bande der glück-lichen Ehe und der Vatcrfreudcn den Menschen fester an das Mensch-liche ziehen, und ihn mitfühlender und traulicher machen, als allesklebrige. Der Hagestolz, vereinzelt wie eine geborne Waise, undimmer auf das eigene, mit nichts Anderm verwachsene Ich be-schränkt, wird Wider seinen Willen zum Selbstling, dessen Wich-tigstes unterm Himmel nur immer er sich selbst bleibt. Vielleicht,wenn der große Friedrich, der dichtende, knnstliebcnde Held,Zsch. Ges. Schr. 3ö. Thl. 13*