Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

303

scn, »m dem Geschrei des Neides oder Hasses entgehen zn könne».Beide waren, nicht der Form oder dem Namen nach, sondern durchSelbstgefühl ihrer Ueberlegenheit, wahre Selbstherrscher, dieunbeschrankt walten wollten, keinen Einspruch duldeten, und nurAnderer Rath, aber nicht deren leitenden Einfluß begehrten. Beidewaren die größten Feldherren ihrer Zeitalter, und hingen mit fastzu großer Vorliebe am Heerwesen, welches ihnen Uebergewichtund Ruhm gewährte. Beide waren die Abgötter ihrer Heere.Friedrich hat keine höhere Begeisterung seiner Soldaten ans denSchlachtfeldern erfahren, als Napoleon. Der Preuße ging fürseinenFritz" entschlossen in den sichern Tod, und der Franzose,sah er den Wink seineskleinen Korporals", rannte singendin den Kartätschenhagel. Ans Napoleons Feldherrnschnle zusein, ist heute noch kein geringerer Ruhm für den Marschakl undHanptmann, als ehemals es galt, aus Friedrichs Schule znstammen. Napoleon und Friedrich aber waren mehrmals nurSoldaten; beide galten durch Scharfsinn, Witz, kühne und anf-saffendc, ich möchte sagen, den Gedanken der Zukunft errathendcBerechnungen, als Meister der Staatskunst, und wurden häufigvon denen zuerst nachgeahmt, welche ihnen öffentlich die wenigsteGerechtigkeit widerfahre» ließen; oder wurden oft nur im Unlöb-lichern nachgeahmt, wie dies bei aller Nachahmern der gemeineFall ist. Beide verbanden mit ungeheuer,» Gedächtnisse, welchesihnen selbst Namen, Ort und That zahlloser Soldaten vergegen-wärtigte, eine durchdringende Nrtheilskraft »nd ein Feingefühl,vermöge dessen sie, mit seltenen Ausnahmen, immer den rechtenPlatz hcrausfanden. Beide ergriffen und bezauberten Jeden, dermit ihnen in persönliche Berührung trat, und rissen ihn mit sichfort, selbst wider Willen des Fortgcriffenen. Beider rastlose Viel-thätigkeit erregte bald Erstaunen, bald Nngläubigkeit der Welt.Beide, von Jugend auf den Wissenschaften hold, kannten nichts