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Die Kaiser-Probe.
Kaiser Alexander Severus nahm es strenger, als der sanfteMare Aurel, und forderte von dem Beherrscher eines großen Reichsetwas mehr, als die löbliche Kunst, gut essen und trinken zu können.Man erzählt sich unter andern von ihm folgende drollige Anekdote,die »ns AcliuS Lampridins aufbewahrt hat.
Ein gewisser römischer Senator, Ovinius Camillus, hattedie beste Lust, Kaiser zu werden. Er war ein Weichling der erstenKlasse; aber reich und aus einer der ersten Familien; das machteihm Mnth.
Kam» erfuhr Alerander Severns, daß der schlaffe Herrmit Verschwörungen und Thronanmaßungen umging, so ließ erihn zu sich in den kaiserlichen Palast kommen. Er dankte demOvinius aufs verbindlichste, daß er sich entschlossen habe, dieschwere Bürde der Regierung freiwillig zu übernehmen, wozu mansonst nur rechtschaffene Männer nicht ohne Zwang gebracht habe;ging .darauf mit ihm in den Senat, und erklärte ihn dort ohneanders zu seinem Reichs- nnd Thronerben.
Ovinius, anfangs voller Todesangst wegen seines verrathene»Verbrechens, fand den Ausgang der Geschichte recht artig, ließ sichdas Wohnen im Palast, den kaiserlichen Schmuck, die äußernEhrenbezeugungen u. dgl. sehr wohl gefallen. Aber Kaiser Ale-xander überhäufte ihn bald so mit Geschäften aller Gattung, daßder gute Neichsgehülfe kaum mehr Athem schöpfen konnte. DasLeben gefiel ihm schlecht; weder Essen noch Trinken schlug an.
Zum Glück brach ein Krieg aus. Ovinius gedachte frische Luftzu schöpfen und sich der Negimentssorgen zu cntschlagen, wenn ermit seinen Küchenwagcn die Armee begleitete. „Auch das!" sagteAlexander, „es geziemt einem Kaiser, sein Reich zu vertheidigengegen die Barbaren."