275
Einige Gedanken vom Vater Ludwigs desSechszehnten.
Der Dauphin Ludwig, Vater des unglücklichen LndwigSdes Sechszehnten, Königs von Frankreich, war gewiß einerder liebenswürdigsten unter den europäischen Fürsten. Wohl ihm,daß er das traurige Schicksal seiner Kinder nie ahnen konnte!
Als mau seinen Söhnen das Zcrcmonicl der Taufe supplirte,und das Kirchenbuch brachte, worin die Namen der Getauften ohneUnterschied des Ranges einrcgistrirt stehen, sagte er zu ihnen:„Seht hier encrn Namen i» Reihe und Glied neben dem Nameneines Armen und Dürftigen! Die Religion, wie die Natur,setzt alle Menschen einander gleich. Nur die Tugendallein macht den Unterschied. Vielleicht ist der, welcher vor euchin dies Buch eingeschrieben steht, in den Augen der Gottheit vor-trefflicher, als ihr jemals in den Angen der Völker werdet!"
Den Erziehern seiner Prinzen sagte er: „Führet meine Kinderauch in die Strohhütte des gemeinsten Bauers; zeiget ihnen alles,was ihr Herz rühren kann. Sic müssen das schwarze Brod sehen,von dem sich der Arme sättiget; sie sollen mit ihren Hände» dasStroh berühren, das ihm znm Bette dient.-Ja, ich ver-
lange es, sie sollen auch weinen lernen! Ein Fürst, dernie Thränen vergoß, kann unmöglich ein guter Fürstsein."
Ludwig der Vierzehnte hatte bekanntlich ungeheure Sum-men an de» Ban von prachtvollen Palästen und Gärten verschwen-det. Auch Ludwig des Sechzehnten Vater hatte Sinn für dieseLeidenschaft. Er entwarf mit eigener Hand Grundrisse und Profilezu kostbaren Palästen und herrlichen Gartenanlagen. Natürlich,die Hofleute bewunderten seine Ideen, waren entzückt von ihrerSchönheit. „Nun ja," sagte der Dauphin, „sie gefallen mir