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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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Gedichte eines Bibaculus und Catullus winnneln voll Schmä-hungen auf die Kaiser aber der göttliche Julius, der göttlicheAugust duldeten cs, und unterdrückten das alles nicht. Gleichbewundernswürdig, wie ihre Mäßigung, war ihre Klugheit. Dennverachtetete Vorwürfe veralten: aber denen ihr zürnet, die scheinetihr zu bestätigen.

Ich mag nichts sagen von den Griechen, bei welchen nichtnur Freiheit, sondern sogar die Frechheit ungeahndet blieb; oderwenn einer rügte, so rügt er Worte mit Worten. Immer aberwar es de» Griechen frei, von denen zu reden, die der Tod demHaffe und der Gunst entzogen. Wiegle ich denn mit Brutus undCassius das Volk in den Versammlungen auf zum Bürgerkriege,zu den Waffen, zur Erneuerung der philippinischen Schlachtfelder?Siebenzig Jahre schon verschwunden, nur aus Bildsäulen noch be-kannt, die selbst der Sieger nicht verstieß, behaupteten sie so einenTheil ihres Andenkens bei den Schriftstellern. Jedem gibt dieNachwelt sein Lob; und trifft mich Verdammung es werdenAndere kommen, die neben Cassius und Brutus dann auch meinergedenken!"

So sprach Cremutius, ging aus dem Senat, des TodeSur-theils gewiß, und endigte sei» Leben durch Enthaltung aller Speise.Der feile Senat aber ließ die Schriften des Cremutius ver-brennen. Dennoch erhielten sie sich-versteckt, und wurden wie-der herausgegebcn.

Deshalb darf man, setzt Tacitus hinzu, der Thorheit dererlachen, die durch Macht der Gegenwart auch das Urtheil der Nach-welt bestechen zu können glauben! Und ich möchte hinzufügen:Es mußte eben ein Tiber sein, der die Zensur erfand; und einPapst, wie Alexander vi., durch Unzucht und Grausamkeit be-rüchtigt, gehörte dazu, sic, nach Erfindung der Buchdruckerkunst,in Europa wieder einzuführcn und fester zu gestalten.