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Die erste Bücherzensur im alten Rom.
Im Jahre 778 Roms, das heißt im fünfundzwanzigsten Jahrunserer Zeitrechnung, da Tiberius, der Schändliche, die Herr-schaft führte, wurde Cremutius Cordus vor Gericht gezogen,und zwar, wie Tacitus in seinen Jahrbüchern (4, 24) sagt,eines jetzt zum erstenmal erhörten Verbrechens wegen.Er hatte nämlich in seinen herausgegebenen Annalen den Brutusgelobt, und Cassins den letzten der Römer geheißen. Die schrift-stellerische Freiheit mußte wohl unter einem Tiber gerügt werden.Die Geschöpfe des verworfenen Sejan klagten den redlichen Cre-mutins an; und dieser vertheidigte fich, so finster auch Tiber blickte,ungefähr folgendermaßen :
„Mein Wort wird verklagt; so sehr ist meine That ohneSchuld. Doch auch jenes tastet nicht den Fürsten, nicht dessenMutter an, die das Majestätsgesetz umschirmt; nein, man sagt,ich habe Brutus und Cassins gelobt, deren Thaten doch keiner vonallen, die ihrer erwähnten, ohne Rühm ließ. — Lobte doch einstauch Ltvius, glänzend wie durch Geist, durch treue Anhänglich-keit, den Pompejus so sehr, daß Cäsar August ihn selbst einenPompejaner hieß, und doch störte dies ihr gutes Vernehmennicht. Nirgends nannte er einen Scipio, einen Afrikanus, einenCasfius oder Brutus Meuchelmörder, oder Vatermörder, Namen,mit denen man sie heutiges Tages gern beschimpfen möchte, dieEdeln! Pollio'S Schriften bewahren ihr herrliches Andenken;Messala Corvinus nannte den Cassins seinen Imperator —aber dennoch behielten beide ihr Vermögen, ihre Stellen! AlsCicero den Cato über alles pries, antwortete ihm der DiktatorCäsar wahrlich auf andere Art; gewiß nicht vor Richtern. An-tonius in seinen Briefen, Brutus in seinen Reden griffen denAugustns oft mit bittern, grundlosen Beschuldigungen an. Die