Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

2SS

Krtcgsgebetc.

Wenigstens waren die blinden Heiden in ihrer Religion zu-weilen folgerechter, als die erleuchteten Chrisicuvölker. Auch siebrachten den Göttern ihre Opfer und Gebete, wenn sie Kriegführten, um Sieg gegen ihre Feinde zu erflehen. Aber sie riefennicht den Gott der Liebe, sondern den Gott des Blutvergießenszur Hilfe; sie setzten nur Nationalgotiheiten in Requisition, umden Einfluß fr.emder Nationalgötter zu schwächen. Während dieMenschen sich auf Erden mit allem möglichen Heroismus erwürg-ten und elend machten, bataillirtc» die Götter eben so emsig imHimmel.

In den christlichen Kirchen ruft man das heiligste Wesenzum Beistand im unh eiligsten Geschäft an; den ewigen VaterAller rufen seine Kinder gegenseitig zur Hilfe, einen Theil seinerKinder ermorden oder plündern zu können.

Gar naiv ist das Gebet der Sachsen zur Zeit Karls desG roß cn imKriege gegen ihn gewesen. Den wir Karl den Großennennen, nannten sie in ihrer Einfalt Karl den Schlächter,weil er nur in Schlachten groß war. Im Archiv zu Goßlarfand sich folgende Gebetsformel an ihren Donnergott in altsächsi-scher Sprache:

Hiltkroti Woudana! ilp oskun osken pana Nuittikin ok kelta often aiskena Carlevi tcn slaktenera. Jik kif ti in onr un ton scapaun tat rose. Jk slactcti all faiika up tincn iliken Artisberka."

Ins minder melodisch tönende Norddeutsch übersetzt, heißt dies:Heiliger, großer Wodan! hilf uns und unserm Feldherrn Witte-kind, auch den Hauptleuten, gegen den häßlichen Karl denSchlächter. Ich gebe dir einen Auerochsen, und zwei Schafe unddie Beute. Ich schlachte dir alle Gefangene auf deinem heiligenHarzberge."