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„Ich ward neugierig, und gab mir Mühe, den junge» Servil«Vvu Grund aus kennen zu lernen. Da fand ich ein wahres Wun-der und ein wahres Ungeheuer, beides in einer Person; wie könnteich diese Verbindung der außerordentlichsten und der abscheulich-sten Anlagen anders nennen? Man denke sich einen Geist, demfast keine menschliche Kcnntniß mehr fremd war; ein Fassungsver-mögen, das Alles auf den ersten Augenblick begriff, und ein sowunderbares Gedächtniß, das nichts mehr vergaß, was gehört, ge-lesen, gesehen worden war. Er hatte alle Theile der Philosophie,der Mathematik, und besonders der Befestigung«- und Zeichenkunstinne. In der Theologie war er so bewandert, daß er, wenn erwollte, der trefflichste Prediger sein konnte, oder der gewandtesteKontroversist, gleichviel für oder wider die reformirte Religion.Er hatte nicht bloß das Hebräische, Griechische und alle Sprachenerlernt, die man gewöhnlich gelehrte zu nennen pflegt, sondernauch alle verschiedenen PatoiS. Er machte Aussprache, Accent, allesso natürlich nach, und begleitete Alles, was er in jeder Sprachesagte, so treu mit dem nationalen Geberdenspiel der verschiedenstenVölker Europens, der verschiedensten Provinzen Frankreichs, manhätte darauf schwören mögen, er sei aus jedem dieser Länder ge-bürtig. Er hatte unbeschreibliche Gewandtheit, Andere auf dietäuschendste Weise nachznäffen, es gab keinen bessern Spaßmacherund Schauspieler, als ihn. Dabei schrieb er die schönsten Ge-dichte; spielte beinahe alle musikalische Instrumente; verstand dieGrundsätze der Tonkunst vollkommen, und sang eben so angenehmals schulgerecht. Er las die Messe; denn er wollte in der Welteinmal Alles thun und Alles kennen. Sein Körper war so herr-lich, wie sein Geist, gewandt, leicht, zu allen Spielen meisterhaftgeeignet; er ritt gut; man bewunderte ihn im Tanz, ans der Laute,in fast allen mechanischen Arbeiten.
„Aber nun die Kehrseite: er war lügnerisch, doppelzüngig, ver-