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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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Staatsparteien hatten damals die gesellschaftliche Ordnung zer-rissen. Das Schwert des Bürgerkriegs herrschte.

In der That kam auch Manchem der Sinn daran, selbst einemMarschall von Frankreich, dem Charles de Cosse, Grafen vonBriffac, den der Herzog von Mayenne im Jahr 1594 zum Gou-verneur von Paris machte, als eben Heinrich im Begriff war,die Hauptstadt zu erobern. Sully erzählt diese Anekdote imsechsten Buch seiner Memoiren, und begleitet sie mit einigen Re-sterionen, die gerade in unser» Zeiten neues Interesse empfangenhaben.

Das Lesen der römischen Geschichte/' schreibt Sully,hattein dem Marschall, der dabei auf Geist und Scharfblick Anspruchmachte, ein sonderbares Projekt erzeugt. Er kam nämlich auf denEinfall, Frankreich in einen Freistaat zu verwandeln,und Paris sollte die Hauptstadt dieser neuen Republik werde»,die er in seiner Phantasie ganz nach dem Modell des altenRoms formte.

Hätte sich Brissac die Mühe gegeben, von seinen erhabenenSpekulationen zur Untersuchung ihrer Anwendbarkeit niederzusteigen,etwas, das bei den wichtigsten Entwürfen doch immer Haupt-sache ist: so würde er gesehen haben, daß es gewisse Umständegibt, wo das vortrefflichste Projekt durch die eigene Natur derHindernisse, durch die Verschiedenheit im Genie und Charakter derVölker, durch den besonder» Schlag der bisher üblichen Gesetze,und durch die lange Uebung und Gewohnheit, die auf Alles dasSiegel drückt, unmöglich in der Ausführung und chimärisch wird.Nur langsam durch Zeit und Erfahrung können die Fehler eines inseinen Formen bestimmten Staates heilen, und immer muß dieVerbesserung dem Geist der ersten Grundgesetze des Staates ent-sprechen. Dies ist so wahr, daß man überzeugt sein kann, einStaat ist seiner gänzlichen Umwälzung nahe, wenn er sich auf