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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
229
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Vielleicht versteht mich Mancher nicht. Ich will die Geschichtedieses Opfers, des einzigen in seiner Art, das nnr ein Frauen-zimmer bringen kann, knrz erzählen.

Die reizende Britin, Gemahlin'des englischen Gesandten LvrdWorthly in Konstantinopel, hatte Von Reisebeschreibern schondies und das über das Harem des Großherrn gelesen, und wünschtedie Vermnthunge» zur Höhe der Wahrheit zu führen. Sie warein wenig neugierig von Natur. auch darin können reisendeDamen einen entschiedenen Vorrang vor reisenden Männern be-haupte» und versuchte also nnr um so erpichter die Bestechungeines der vornehmsten Ennnchcn, die den Harem bewachten. Derungeschlachte Eunuch ließ sich weder von dem süßen Lächeln, nochvon dem Helle» Golde der englischen Gesandtin bethörcn.

Mylady entsagte nun ihren angenehmen Hoffnungen nicht ohneeinen, ans dem Tiefsten ihres Innern kommenden, Seufzer; er-zählte sogar ihrem Gemahl den verwegenen und gescheiterten Plan,und gab dem Lvrd das heilige Wort, die gefährliche Neugier nichtwieder rege werden zu lassen.

Solch ein Wort ist nun freilich bald gegeben!

Der Lord machte von Konstantinopel einen Abstecher nach derInsel Kandia, und wollte über Cerigo zurückkommen. Myladywar allein; was fällt dem Menschen nicht ein, wenn er Lange-weile hat? Genug, sie versuchte den Eunuchen zum andernmal,und bot ihm das Doppelte, wenn er sie heimlich ins Harem schlei-chen ließe. Der Halbmann ergab sich zu ihrer Verwunderungschnell. Sie hätte Verdacht schöpfen sollen, ob nicht der Sklavvielleicht dem Großherrn von der Neugier der gelehrten, schönenBritin gemeldet, ob nicht Sultan Nehmet der Dritte vielleichtselbst den Eunuchen zur Nachgiebigkeit gestimmt haben könnte?

Kurz, Mylady ward in das prächtigste, üppig geschmückteDamengefängniß verstohlen eingeführt, und von Zimmer zu Zimmer