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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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barfuß und im bloßen Hemd von Schweinfurt bis Hammelbnrglaufen mußte.

Reisende Schriftsteller sind noch nicht halb so gefährlich,als schriftstcllernde Reisende; weil man sie aber leicht miteinander verwechselt, pflegt man gewöhnlich gegen beide auf derHut zu sein und keine Blößen zu zeigen. Denn wer will sich gernvon Durchfliegenden konterfeit und aller Welt zur Schau gegebensehen? Darin haben Frauen schon den Vortheil, daß man ihnen imAllgemeinen so viel Bosheit nicht zntraut; sic sehen folglich mehr.

Gelehrte Frauenzimmer sollten schlechterdings aber incognitoreisen, wenn sie schon bekannt sind; denn die heilige Scheu vorgelehrten Weibern ist allen Nationen Europens gemein. Ichweiß nicht, wie es in diesem Punkte bei den Asiaten und Ameri-kanern steht. In jedem Falle wenigstens sollten sie ihre Gelehr-samkeit incognito reisen lasten, um nützlich zu reisen. Frau vonStack, mit.Herrn Schlegel im Gefolge, deren Aufenthalt zuWien die Zeitungen mit großer Wichtigkeit meldeten, so wie anch,daß in Weimar zu ihrem Empfange Zimmer gerüstet wordenseien, wird überall nur Menschen begegnen, die ihre moralisch-ästhetische Toilette schon gemacht haben. Ich versprechemir von ihrer Neisebeschrcibung aus diesem einfachen Grunde vielweniger, als von ihren Delphinen und Korinncn.

Noch einen Vortheil haben reisende Schriftstellerinnen (aberimmer ihr strenges Incognito vorausgesetzt), der Männern entgeht,daß ihnen nämlich manche Thür aufgeschlossen wird, z. B. vonNonnenklöstern, die den Herren verriegelt bleibt. Haben wir nichtder schönen und geistreichen Lady Wvrthly Montagne die erstenausführlichen, und vollkommen znverläßigen Nachrichten über dieGeheimnisse des Harems zn danken? Freilich mußte sie dieErlanschung derselben wunderlich zahlen. Doch welches Opfer istnicht eine neue Entdeckung Werth?