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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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Die Grabschrift.

Die Grabschristen lügen gern von den Tobten, wie die Zei-tungen von den Lebendigen. Aber folgende enthält doch eine schöneWahrheit.

Similis, einer der ältesten und würdigsten OberfcldherrenTrajans und Hadrians, entzog sich endlich dem Wirrwarr des Hof-und Kriegslcbens. Er war zu rechtschaffen und edel gewesen, umans seinen Feldzügen durch daö Unglück der Völker UngeheuernReichthum znsammcngcprcßt zu haben. Aber doch besaß er eineartige Billa. Dahin ging er, und lebte in der schönen Einsamkeitin bencidcnswürdigcr Ruhe sieben Jahre noch. Darum ließ er aufsein Grab die Inschrift setzen:Hier ruhen die Gebeine desSimilis, derein hohesAlter erreichte, aber nur siebenJahre gelebt hat."

Ein merkwürdiges altes Gesetz.

Man erlaubte sich, was sehr verzeihlich war, zu allen Zeitendie Handlungen der Fürsten und die Fähigkeit ihrer Minister zubeurtheilen. Denn was im Namen des Volkes gethan wird, magWohl vom Volke beachtet werden. Aber zu allen Zeiten war denMinistern nichts lästiger, als die Kritik ihrer Handlungen.

Das stärkste Beispiel davon gaben die Minister des KaisersGratian, der am Ende des vierte» Jahrhunderts die römischeWelt regierte, so gut er konnte; denn er war ein äußerst mittel-mäßiger Kopf, der nur so lange glänzte, als er von vortrefflichenMännern geleitet war, und in seiner ganzen armseligen Blöße da-stand, als Nichtswürdige Herren seines Vertrauens und Stellvertreterseiner Macht wurden. Auch nur ihre Verdienste und Fähigkeiten in