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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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Italien dankte sie dem südlicher» Griechenland, Griechenlanddem südlicher» Aegypten, Aegypten dem südlichern Abessi-nien n. s. w.

Das historische Gesetz gilt nicht für die südliche Hälftedes Erdballs, denn sie bezieht alle ihre Kultur vom Norden,ans dem Wege des Handels. Ein Beweis, daß die Bevölkerungder südlichen Hemisphäre jünger ist, als die der nördlichen.

In den Ländern, von welchen die Kultur des menschlichen Ge-schlechts ansgegangcn ist, erleichterte die Natur durch die Fülleihrer Fruchtbarkeit das Dasein des Menschen so sehr, daß er, nurwenig zerstreut durch die Sorge um Kleider und Nahrung, vonselbst auf die Beschäftigung des Geistes hingeleitct ward. Wie beidem südlichen Menschen die herrlichsten Pflanzen zu Speise undTrank wild gedeihen, die wir im Norden mühsam durch Kunst er-ziehen, so ist auch seine Geistesknltur mehr Werk der Natur,als der Kunst. Die in Nordländer verpflanzte Kultur hingegenward nur durch Kunst erhalten und erhöht.

In Südländern, von wannen doch die Kultur stammt, bleibtsie (merkwürdig genug!) fast überall in der gleichen Höhe stehen,und fast immer in ähnlichen Formen; fast überall finden wirDespotismus in den Verfassungen, und Hierarchie in derReligion. So in Indien (man gedenke der dortigen Kasten), inChina (des dortigen Rituals), in Thibet, in Aegypten, in Japan,in der Türkei u. s. w.

Hingegen in Nordländern erhöht sie sich von Jahrhundert zuJahrhundert. Deutschland, Frankreich, die Schweiz undEngland haben in Religion, Politik, Kunst, Wissenschaft undErfindungen aller Art mehr geleistet, als alle jetzt vorhandenenVölker der Welt znsammcngcnommen.

Diese auffallende Erscheinung läßt sich eben daraus am leich-testen erkläre», daß der südliche Mensch sich leichter mit dem be-