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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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gnügen kann, was cr hat, da ihm, was er bedarf, ohne Müheaus dem Füllhorn seines Klima's zufällt. Der nördlicheMensch aber hat für seine Eristenz unaufhörlich zu ringen; wasdas kargere Klima ihm entzieht, muß er sich durch höhere Ge-walt des Geistes erobern.

Die Kultur in Südländern war eine Tochter der Langeweile,des Würmern Blutes, der regeln Phantasie. Die Kultur der Nord-länder Werk der Noth und kräftigerer Organisation.

Eine Familie ist kein Volk, ein Volk ist nicht die Menschheit.Wenn eine geistreiche Familie ansstirbt, ist darum nicht das ganzeVolk in Barbarei versunken; wenn ein zivilisirtes Volk ausstirbt,ist darum nicht die ganze Menschheit verwildert und aus seinerVollkommenheit znrückgcstürzt.

Daß das Vaterland des Sokrates und Solon, Periklesund Lykurg n. s. w. eine Wüste ward, von Sklaven und Tiran-nen bewohnt, ist kein Beweis wider die Fortschritte der Mensch-heit in ihrer Vcrvollkommncrung. Denn wie viel Helle Punkteauf dem Erdboden waren zu dieser Zeit, da Athen und Korinth,Sparta und Theben blühten? Man kann sie ohne Mühezählen. Wer aber zählt die knltivirten Städte und OrtschaftenAsiens, Europens und Amerika's heutiges Tages? Ein gemeinerBürger von Boston, Berlin, Paris, Wien, Petersburg,Bombai hat mehr Kenntnisse und mannigfaltigern Geistesgennß,als ein gemeiner Bürger zu Athen in Perikles Tagen hatte.

Die Zeiten der Völkerwanderungen, dann die der Kreuzzüge,schienen alles Licht der Menschheit auszulöschen: aber sie gehörtenzu den wohlthätigstcn Epochen unsers Geschlechts. Diese Stürmeverbreiteten die Funken von den ehemaligen Altären der Weisheit,Wissenschaft und Kunst unter hundert barbarische Nationen. DieMenschheit nach den Kreuzzügen ist eine ganz andere, als vorden Völkerwanderungen.