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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
172
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durch strengere Zensuren oder Beschränkungen schriftstellerischerFreiheit vornehmlich das bewirken, daß die Unterthancn nicht vomsogenannten Zeitgeist ergriffen werden, daß sie mit allen Ver-fügungen ihrer Höfe, Ministerien und geistlichen Autoritäten zu-frieden seien, nicht nach dem gelüsten, was sie in andern Staatenals besser anerkennen: so ist dieser Zweck durchaus unerreichbar;wenigstens hat Erfahrung bisher unwiderleglich bewiesen, daß mandaran nicht denken solle, weil man an Unmögliches denke.

Nur wenn sich jeder Staat zuletzt auf sich selbst beschränkt,bleibt ihm noch ein einziges Mittel. Es besteht im Verbot, wonicht aller Bücher, doch derjenigen, die seinen Interessen feindseligsind. Wie wenig aber mit Bücherverboten ausgerichtet wird,weiß heut zu Tage Jedermann. Man schleicht vor alle» ander»zuerst dem Verbotenen nach. Es wäre sogar nicht unklug,das zu verbieten, was man am häufigsten und mit der größtenAufmerksamkeit gelesen zu werden wünscht. Kommen auch wenigerEremplare in Umlauf, gehören sie dafür zu den literarischen Klei-nodien und wandern sie durch desto zahlreichere Hände, welche sich,ohne ein ergangenes Verbot, kaum nach ihnen ausgcstreckt habenwürden. Es ist dabei eben so großer Genuß, seine Neugier zustillen, als wissen zu lassen, man sei im Besitze einer Seltenheit.Büchervcrbotc sind Fingerweise für Lüsterne, Sachen zu erfahren,die nicht Jeder erfahren soll. Daher war keineswegs ganz nn-weise gehandelt, wen» man zu Rom, oder in Spanien, denKatalog der verbotenen Bücher ebenfalls wieder in die Reihe derverbotenen Bücher setzte.

Wäre es aber auch ausführbar, durch wachsame Strenge anden Grenzen und im Innern des Landes das Einschwärzen litera-rischer Contrebande gänzlich zu verhindern: man könnte nie dasEinbringen verbotener Gedanken verhüten, man könnte nicht münd-liche Mittheilnngen verhüten. Das Wort fliegt unendlich schneller