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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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So erfolgen Revolutionen, mehr oder minder gewaltsam, immeraber dennoch Umgestaltungen der Anßcnverhältnissc nach Maßgabeder innern Bedürfnisse und Ucberzengungen.

So lange also eine Regierung die großen Schriftsteller vonAristoteles und Plato, von den Aposteln und Evangelistenan bis Baco de Verulamio, Lcibnitz, Montesquieu undKant, zu lesen gestattet; so lange sie gestattet, daß das Feld derWissenschaften erweitert wird, und auf der andern Seite sie demdadurch mündiger werdenden Geist die Formen aus Tagen der Un-mündigkeit bcibchaltcn wissen will; so lange sie das Volk zur Frei-heit erzieht, aber nicht ans dem Knechtsverhältniß entlassen will:eben so lange bleibt jede Regierung mit sich selber in Zwietracht.Sie reißt mit einer Hand nieder, was sie mit der andern baut.Ihr ist keine Hilfe, kein Rath zu geben. Und Gesetze gegen fri-vole schriftstellerische Schwätzer helfen am letzten, weil diese amwenigsten zur Unzufriedenheit derselben mit mangelhaften oder nn-rechtlichen äußern Verhältnissen beitragen.

Sollen also Volkszählungen, Unzufriedenheiten und daraus er-folgende Umschaffnngcn der innern Staatsverhältnisse n. s. w. ver-hütet werden, so müssen schlechterdings, in so fern die zunehmendeReife der Nationen daran schuld ist, nicht eigentlich die schlechtenund bösartigen Schriften, als vielmehr die bessern, die lehrreich-sten, die menschenfreundlichsten unterdrückt, vertilgt werden. Wenndas Bibellesen in katholischen Länder» noch lange fortdauert, wirdda zwar das Christenthllm fortblühcn, aber die Formen »nd hier-archischen Grundsätze der römisch-katholische» Kirche können da-neben keine drei Geschlechtsalter lang bestehen. Es ist daher vomheiligen Stuhl folgerecht, daß er den Gottesdienst so viel alsmöglich in lateinischer Sprache, die das Volk nicht versteht, haltenläßt; das Lesen der Bibel untersagt; die Bibelgesellschaften ver-wünscht und nur Glauben »nd Gehorsam predigt.