— ISO —
Erster Theil des Gutachtens.
Schriftstellerische Uiifuge haben eine Revolution her-vorgebracht.
Zuvörderst muß untersucht werde», vb und tu wie fern der erstevder allgemeine Zweck durch ein Gesetz über Preßvergehenerreicht werden könne. — Ohne Zweifel ist jener Zweck auch wohlin den Augen der meisten Höfe gegenwärtiger Zeit der aller-wichtigste, da man die Gährnngen in vielen europäischen Staa-ten immer lauter werden hört. Denn an Mitteln, bloß Pasquilleund Libelle gegen einzelne Bürger und einzelne Stände, gegenhohe lebende Personen, gegen die Verletzungen der Schamhaftig-keit u. s. w. zu unterdrücken oder zu bestrafen, hat es der Polizeinoch selten gefehlt. Auch weiß man aus Erfahrung, daß dergleichenLibelle und Sudelwerke im Ganzen wenigen Schaden stiften,weil sie bald von der öffentlichen Meinung mit Abscheu und Ver-achtung geschlagen werde».
Soll aber jener Hauptzweck, die allgemeine Zufriedenheit derNationen, die innere Ruhe der Staaten gegen sogenannte dema-gogische Umtriebe und revolutionäre Grundsätze sicher zu stellen,durch ein Gesetz gegen „schriftstellerische Unfuge" erlangtwerden, so muß nothwendig erst außer allen Zweifel gesetzt sein,daß die heutigen Gährnngen und Unzufriedenheitendurch schriftstellerische Unfuge vorzüglich hervorge-bracht oder genährt worden sind. Denn wenn unläugbargemacht würden daß zum lautwerdenden Mißmuth der Völker dieSchriftsteller nichts oder nur zufällig-mitwirkend beitrügen, so wärees eitel, auch wohl gar nachtheilig, die Waffen des Gesetzesgegen sie allein zu richten. Es würde das beabsichtigte Ziel