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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
76
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An einem Nachmittage drang ein unbekannter Mensch zu mirins Zimmer. Er war in einem zerrissenen Schlafrvck, in Schlaf-mütze und Pantvffeln. Sv hatte er die Reise aus dem Misvrer-thale nach Bellinzona gemacht, um meinen Beistand anzurufen.Es war der unglückliche Pfarrer von Lumino, welcher durch dieSoldaten um alles das Genüge gekommen war, und nichts be-halten hatte, als die wenigen Kleider, so er auf dem Leibe trug.Aber auch der Schlafrvck gehörte ihm nicht mehr eigen; denn erhatte ihn von einem Nachbar entlehnen müssen.

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Die französische Armee spaltete sich bei Bellinzona in zwei Ko-lonnen, davon die eine über den Lago maggiore, die andereüber den Monte Cencre und Lugano nach Mailand drang.Schon diese Vertheilung der bisher in Eins znsammengedrängtenTruppenmaffe gewährte dem Lande große Erleichterung. Ichbegab mich nach Lugano, wo meine Anwesenheit von dringenderNothwcndigkcit war.

Sobald meine Ankunft ruchbar geworden, flüchtete», ans Furchtvor Reaktionen, mehrere von der Partei derjenigen, durch welcheder mörderische Aufstand dreizehn Monate früher gestiftet, odergeleitet worden war. Unter den Geflüchteten befanden sich, wieman mir sagte, der ehemalige Negicrungsstatthalter Buonvieini,der Postdircktor Pietro Nossi, der Chef-de-Bureau des er-wähnten Statthalters, Emanuel Jauch von Uri und anderemehr. Die patriotische Partei, welche von mir nicht nur Schutzgegen die Gewaltthaten ihrer bisherigen Unterdrücker, sondern auchRache gegen dieselben erwartete, trat hervor, sich näher an michzu schließen.