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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
75
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schaffen zu lassen. Ich organisirte endlich diesen Transport, nach-dem er 1000 Thaler, oder 6000 französische Livres, ausgezahlt,zur Unterhaltung der Arbeiter. Diese Summen ließ ich an dieDorfschaften der Leventina, nach Verhältniß ihrer geleistetenDienste, durch die Vorsteher derselben austheilen.

Um sich von der Ungeheuern Größe der Requisitionen einendeutlichen Begriff zu machen, darf ich nur anführen, daß man amersten Tage, als die Truppen in Bellinzona einrückten, von dieserkleinen, erschöpften Stadt begehrte:

an Brod 21,500 Rationen;

Reis 21,500

Heu 1500 zu 15 Pfund;

Fleisch, 20 St. Vieh, jedes zu 500 Pfd.

Wein 21,000 Rationen;

Salz 15,000

Kleien 1500

Schuhe 3000 Paar.

Durch meine Vorstellungen gelang es mir zwar, diese uner-schwinglichen Forderungen zu mildern, aber wie wenig gewann dasunglückliche Land dabei! Die Truppen streiften wild und erlaubtensich alle Ausschweifungen. Mehrere Dorfschaften wurden rein aus-geplündert. Selbst Kleider und HauSgeräth wurden den Elendengeraubt. Aber wahr ist's, daß auch die Verzweiflung der Soldatenaufs Höchste gestiegen war. Mehrere Tage lang auf dem Marscheüber die höchsten Berge, ohne hinlängliche Nahrung und Beklei-dung, der rauhesten Witterung preisgegeben, Nachts beim unauf-hörlichen Regen im freien Felde kampirend, suchte jeder sich eigen-mächtig Erleichterung des harte» Lebens zu schaffen. Ich sah vieleSoldaten, welche ohne Schuhe, mit nackten Füßen über den Schneeund die Felsen gewandert waren. Das Gebot der Noth überschriedie Stimme der Menschlichkeit.