Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

Wiederherstellung des zerstörten Kultus, mit der Beruhigung derGemüther, zugleich des Volkes Vertrauen wieder an'seine Obrig-keiten schließen wollte.

3.

Uri aber, und die Gemeinden an der deutschen Seite des St.Gotthardsberges gelegen, litten von den Räubereien und Willkür-lichkeiten der französischen Truppen am empfindlichsten. Ein dürf-tiges Hirtenvolk bewohnte diese Gebirgs-Thälcr; Handel und Wandelwaren, seit des Krieges Ausbruch, vernichtet; Altorf, des ehe-maligen KantonS prächtiger Hauptflecken, seit dem Spätjahr 1798ein öder Aschenhügel mit Ruinen untergegangener Herrlichkeit;die Landschaft durch blutige Insurrektionen verödet, und der innereFriede vom Parteigeist zerrissen.

Mehr noch, als das große Reußthal Uri's, war das Thalvon Urseren zu beklagen, dessen stille Fluren bald von Rebellen,bald von Franzosen, bald von Oesterreichern und Russen in Schlacht-felder und Lagerplätze verwandelt waren; wo der größere Theilder Einwohner nur vom Waaren-Transport und der Arbeit seinerSaumthiere lebte; wo, hoch gelegen, in der Nähe des ewigenEises, den Menschen weder Korn noch Gemüse, selbst nicht ein-mal das unentbehrlichste Bedürfniß gegen der Jahreszeiten rauhenUngestüm, das Holz, zuwächst.

Nichts bringt dies Gebirgsthal hervor, als Heu. AnsehnlicheVorräthe desselben wurden alljährlich gesammelt, um nie Mangeldaran für die unzähligen Saumthiere zu leiden, welche den Gott-hard auf- und absteigen, selbst im Winter.

Und in-dieser Wildniß, deren Bewohnbarkeit einer der merk-würdigsten Zeugen menschlichen Fleißes ist, mußten in allen Zeiten,selbst während der strengsten winterlichen Witterung, Heere lagern.