Da es weit umher an Holz fehlte, rissen die Soldaten Ställe undScheuern im Thal und ans den Alpen nieder, um sich vor dertödtlichen Kälte zu schirmen und ihre Speisen zu kochen. Ein Heu-stall, zn dem das Holz viele Stunden bergauf durch Menschenhändegeschleppt werden mußte, kostete an 800 Gulden. So sehr auchdie Trnppen mit dem sparsamen Holze geizten, wurden in mancherNacht für ihre Bedürfnisse über 1000 Gulden verbrannt.
ES verstrich kein Tag, an welchem nicht mehrere Stücke Viehans den Ställen geraubt, und von den an Allem Mangel leiden-den Kriegslcnten heimlich geschlachtet wurden. Verzweiflung machtesie roh und unmenschlich. Sie brachen in die Wohnhäuser; sie Plün-derten, was ihnen anstand. Einige Einwohner, welche ihr-müh-sam erspartes Geld in den Hütten nicht sicher glaubten, hattendasselbe nebst dem wenigen Silbergeräth in einer Alp unter einemSteinhaufen versteckt. Der ganze Werth des Schatzes, ungerechnetdas Silbergeräth, mag sich auf 1100 Louisd'or belaufen haben.Die Soldaten, für deren Raubsucht kein Felsen zu hoch war, fan-den und vcrthcilten unter sich den Schatz. Ich bewirkte zwar beidem Divisions-General Lecourbe einen strengen Befehl zur Wie-dererstattung des Geraubten — aber vollzogen ward er schwerlichmit Ernst.
Lecourbe, dieser in den Gebirgskriegen berühmt gewordeneFeldherr, unermüdlich, keine Gefahr scheuend, muthiger, als dertapferste seiner Grenadiere, hatte sein Hauptquartier in Altorfanfgeschlagen. Mitten unter den Ruinen und Bildern des allge-meinen Elendes lebte er in einer, diesen armen Gegenden frem-den, üppigen Fülle. Luzern mußte seiner reichbesetzten Tafel dieWeine und Leckerbissen nachsenden, welche das erschöpfte Uri nichtgebe» konnte.
Nachdem ich von den zusammenberufenen Deputirten des Lan-des, und den Bezirksstatthaltern, Rädle von Freiburg, und Meyer