Druckschrift 
35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

und mit männlichem Muthe und wilder Entschlossenheit dem Volkegebot, das Schlachtopfer fahren zu lassen. Erschüttert durch diesesMannes Sprache, und gesättigt mit Geldsummen, statt mitdem Blute des Bürgers, führten die Landleute den Gefangenenaufs Rathhaus zurück.

Die meisten der Verhafteten wurden mit Geldbußen, anderemit Verbannung gestraft. Auf das Vermögen aller derer, welchein den Prozeß der Patrioten verwickelt waren, wurde Beschlaggelegt«).

Aehnliche stürmische Tage erlebte die Landschaft Locarno. DieNiederlage des französischen Heeres in Italien war den Bewohnernder Gebirgsthäler ein eigener Triumph. Sie hofften nun frei zusein der eisernen Gesetze, welche die Auswanderungen verboten undihre Söhne und Brüder zum Kriegsdienste weihten. Die helveti-schen Kokarden verschwanden von den Hüten; die Dörfer schlugenihre Freiheitsbäume nieder, und das Echo der Felsen wiederholteden Frcndenruf:Es lebe der Kaiser!"

Der Untcrstatthaltcr Franzoni von Locarno, ein sanfter be-scheidener Mann, ohne Macht, das Ungewitter abzuleiten, thatAlles, des Volkes Wildheit zu brechen. Er erfuhr, daß die Männerdes Thals Verzasca den Anschlag gemacht hatten, einige derIhrigen, welche in Locarno als Ruhestörer verhaftet saßen, mitstürmender Hand zu befreien. Darum ging er in die Gefängnisseund gab ihnen selbst die Freiheit zurück.

Aber dies Opfer versöhnte die Unzufriedenen nicht sobald. DieBotschaft von dem Mordtag zu Lugano lief von Mund zu Mund,das schreckliche Beispiel reizte zur Nachahmung. Inzwischen hatte

*) Unter diesen Gütern waren auch die begriffen, welche der Admini-strator Haller von Bern, damals einer von denen, welche Bona-parte schätzte, ohnweit Mendristo besaß.