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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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doch der Wahnsinn der Faktionen nie in diesen Gegenden so fürch-terliches Spiel getrieben, wie zu Lngano. Daher kehrten bald diemeisten Gemeinden zur Besonnenheit zurück; nur eine Rotte vonzweihundert bewaffneten VerzaSkern überraschte den Flecken Locarnoam 3. Mai, und zog, mit einer Brandschatzung von 40 Louisdwrzufrieden gestellt, in ihr wildes Thal zurück.

Auch das Bergvolk der Leventina brauscte froh ans bei denNachrichten von des Kaisers Anzug und der Zerstreuung des fran-zösischen Heeres. Denn nirgends schmerzlicher hatten die Land-schaften des Krieges Druck und des Soldaten Habgier und Muth-willen empfunden, als in den hohen Thälern, durch welche derPaß über die Alpen ging. Hier war ewiges Auf- und Abwandcrnder Truppen gewesen, hier der Boden minder ergiebig an Lebens-mitteln, und das Volk durch Armuth, Einsamkeit und Hirtcnge-schäste an größere Freiheit gewöhnt. Zu Airolo, dem höchst-gelegensten Dorfe am südlichen Abhange des Gotthardsberges,hatte der Wirth Camossi kein gemeines Ansehen unter denScinigen, weil er reich war und sinnreich in Rathschlägen. SeinWort leitete Aufstände ein, und fesselte wieder die Wuth des los-gelassenen Volkes, wenn er wollte. In treuer Verbindung mitden Angesehenen Uri's, die einst Regenten seines Thals gewesen,und mit Rossi, dem Freunde Oesterreichs in Lugano, Pflanzte ergleichzeitig mit ihnen am 28. April die Fahne der Empörung ans.

Als in eben diesen Tagen einbrechender Gesetzlosigkeit die ausden italienischen Kantonen anfgebotenen Milizen, geführt von ihremHauptmanne Albertoli, über den Gotthard in die deutsche Schweizgezogen, aber durch den Aufruhr in Uri wieder gen Airolo zu-rückgescheucht worden waren, sammelten sich, von allen Bergenhcrbeiströmend, die Bauern, entwaffnetcn Albertoli's Schaar undtrieben sie vereinzelt in ihre Heimat zurück. Von Uri her war,um den Aufstand an de» Ufern des Waldstättersees mit dem des