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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
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ein neuer Volkshaufe umringte sie mit Geschrei auf den Straßen,schleppte sic in die Gefängnisse, uncingedcnk, daß sie gekommenwaren, in den Mauern Lugano'S ein Asyl zu finden.

Mitten in diesem Getümmel sah man den Postdirektor PietroNossi geschäftig. Er war der Mann des Volkes. Ihm gehorchtendie wüthenden Haufen. Aber seine Gewalt reichte nicht hin, un-zählige Schandthatcn zu verhüten, mit welchen das Volk an die-sem Tage sich besudelte.

Der Statthalter Capra wurde auf das Rathhaus geschleppt,wo die Vcrwaltungskammer des Kantons versammelt saß. Hiermußte er einen Beschluß unterzeichnen, kraft dessen Rossi undein bei ihm im Quartier liegender Kapitän der 44. französischenHalbbrigade, Namens Roquc, zu Kommandanten von Luganoernannt wurden.

Rossi begehrte in seiner neuen Stellung sogleich die Schlüsselzum Zeughause. Er empfing sie, und bewaffnete die ihm unter-gebene Mannschaft, welche nur auf mörderische Rache und Plün-derung der patriotischen Häuser sann. Ein Adjutant, Fclir Stop-pani, welchen der Statthalter zum Arsenal schickte, um bei Ver-theilung der Waffen gegenwärtig zu sein, ward vom rasenden Pöbeleben so schnell ermordet, als er über die Schwellen des Rath-hauses hervorgetretcn war.

So brqch die Nacht herein. Aber die Finstcrniß begünstigteneue Verbrechen. Das Volk drang in die Häuser der Patriotenund ihrer Freunde, plünderte und raubte. Alle Straßen wurdenbeleuchtet. Uncutgeldlich floß der Wein in allen Kellern. DerStatthalter Capra benutzte die Dunkelheit der Nacht und die Zer-streuung der zügellosen Horden, sein Leben mit der Flucht zu retten.

Sobald sein Entrinnen ruchbar geworden, glaubte sich der Pöbelaller Gesetze frei. Mau brachte die helvetischen Fahnen mit lächer-lichem Triumphe herbei und zerriß sie. Dann begann man die Ver-

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