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Zweiter Abschnitt.
i.
Der Siegesgang Bonaparte's durch Italien in den thaten-reichen Feldzügen von 1786 und 1797 hatte in Europa Furchtund Bewunderung gesteigert. Alle Stände, alle Volksklaffen, selbstin entfernten Ländern, hatten Partei gewählt — um wieviellebhafter mußten Leidenschaften, Urtheile und Wünsche bei den-jenigen sein, welche, in der Nähe des großen Schauspiels,gleichsam unmittelbare Augenzeugen desselben waren?
Lugano, der schönste und reichste Ort der italienischen Schweiz,weitläufig mit seinen Palästen am Fuße des Gcbirgs um den reizen-den Secbnsen ausgelagert- und mit einer Bevölkerung von mehrdenn 8000 Einwohnern, war schon lange durch Parteiungen seinerBürger getrennt. Hieher eilten, von der nahen Bühne des Kriegs,bald Sieger, bald Besiegte. Sie fanden Freundschaft und Asyle.
Von hier aus ward damals die dnrch ganz Italien gelesensteZeitung verbreitet, welche, ungeachtet des Scheines der Unpartei-lichkeit, die Sache Frankreichs in Schutz nahm. Der Verfasserderselben, Abbe Vanelli, galt als einer der hellsten und geist-vollsten Männer seines Vaterlandes. Mit mannigfaltigen Kennt-nissen unterstützte er die Gewalt seiner Beredsamkeit. Noch un-umwundener aber sprach er, als Bouaparte den großen Gedankenausgeführt, und die alte Lombardei in einen unabhängigen, republi-kanischen Staat verwandelt hatte. Von dieser Zeit an keimte inmehrern jungen Luganesen der Wunsch auf, daß auch ihr Vater-land (getrennt von der übrigen Schweiz durch die höchsten Ge-birge, durch Sitt' und Sprache) dem cisalpinischen Frei-staate zugegeben werden möchte. Jeder von ihnen erblickte dortfür seinen Ehrgeiz, für seine Talente eine unermeßliche Bühne.