sten Nahrung. Fleisch und Gemüse schmücken selten seinen Tisch.Ein schwerer Brei von Hirse und Türkenkorn, oder Kastanien,sind das alltägliche Mahl. So lange daran kein Mangel ist', lebtJeglicher zufrieden; und oft bietet der Gewerbsfleißige, besondersin wärmer» und tiefer» Gegenden, vergebens Geld, Arbeiter zuerhalten, so lange der Hunger nicht die Trägen spornt.
Jene immer gleiche und schlechte Nahrung verdirbt die Säfte.Man begegnet selten unter Männern und Weibern frischen Ge-stalten. Meistens sind sie bleichgelb, hager, unansehnlich. DieWärme des Klima's, und manche unter rohen, gern müßig wan-delnden Menschen gewöhnliche Ausschweifungen mögen dazu Mit-wirken. Nnreinlichkeit, schier immer Gesellin der Armuth, ver-mehrt diesen Zustand, und macht Speisen, Wohnstätte und Klei-dung des gemeinen Volks ekelhaft.
So lange die italienische Schweiz unterthänig war, ließen sichkeine Verbesserungen im Schicksal dieses Volkes erwarten. Injeder der Vogteien erschien alle zwei Jahre ein anderer Land-vogt aus dem Innern der Schweiz. Meistens unkundig der Sit-ten, Sprachen und Eigonthümlichkeiten der Provinz, welche der-selbe regieren sollte, zuweilen wohl gar nur aus Liebe zum Ge-winnst hieher gelockt (wie es denn kein seltener Fall war, daß erdas Amt um Geld ersteigert hatte), noch öfter aber ohne staats-männische Kenntnisse, ließ er es gern, während der kurzen Zeitseines Hierseins, beim Alten bewenden.
Auch wenn er Kraft und Neigung gehabt hätte, Mißbräuchenz» wehren, gemeinnützige Einrichtungen zu stiften, ward er vonden ansehnlichen Freiheiten und Rechtsamen der Untcrthanen be-schränkt. Er mußte diese Rechtsame beim Eintritt des Amtesfeierlich beschwören.
Oft waren die Freiheiten der Provinz so ausgedehnt, daß derLandvogt kaum mehr, als nur Obereinnehmer landesherrlicher Ein-