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35 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 8 (1854)
Entstehung
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Zucht des Wcinstocks vorzüglich. Hoch an den Bergen hinauf ge-deihen noch seine Trauben.

So blieb dies Volk, indem es die ersten Grundlagen des all-gemeinen Wohlstandes versäumte, in unaufhörlicher Abhängigkeitvon der Gunst Italiens. Es mußte sein Korn, seinen Wein, seinSalz von der Lombardei erhandeln.

Nicht mit größerm Fleiße ward die Viehzucht betrieben.Jene Ordnung, Reinlichkeit und Mühe, die wir in deutschen Al-penländcrn ehren, suchen wir im Süden des Gotthard vergeblich.Stallfütterung ist meistens noch Kunstgeheimniß. Im Winter wirddes Biehes mit schlechter Sorgfalt gcpffogen. Daher ist es mei-stens gering und unansehnlich, und wenig geachtet.

Es mangelt nicht an Wiesen; aber wer bemüht sich, ihreFehler zu verbessern? Ein großer Theil bietet den weidendenHeerden nur saures Gras, weil Niemand den Boden von sumpfigenWassern trocknet. Nachthcilige Hut- und Triftgerechtigkei-ten, wie z. B. mehrere Gemeinheiten der Landschaft Locarnounter dem Namen des Urbslioo in den weiten Ebenen von Maga-dino am langen See üben, machen die Verbesserung des Landbauesunmöglich. Dem Vieh ist erlaubt, gegen bestimmte Summen,auf allen Gemeinds- und Privatgütcrn zu weiden, vom AnfangWintermonds bis Mitte Mai'S, wenn die Felder schon wieder be-stellt sein sollten.

Aehnlichcr Unfug, mehr gegründet auf alten Brauch und still-schweigende Nebercinkunft, denn auf wirkliche Rechtsame, wird mitdem Wcidgang in andern Gegenden getrieben, bald unter demNamen der trasa xenerals, bald unter dem Namen des lvrr'ordL. Vom Wintermond bis zum März weidet dann das Vieh überMatten, Rebländer und Accker hin; schändet den Wcinstock, durch-wühlt die nächstgelegencn Aecker, und zerstört den Rasen der Wie-sen, welche in dieser Jahreszeit vom häufigen Regen erweicht sind.