verschmähte beharrliche Arbeit. Ihn kümmerten wenig die großenVerbesserungen des Landbaues von seinen Nachbarn. Mit Sorg-losigkeit an der alten Uebung klebend, war er, trotz der Ergiebig-keit seines Bodens, alljährlich einer Hungersnoth ausgesetzt, wenndie Kastanien-Aernte mißrieth, oder die reiche Lombardei ihm dasKorn versagte.
Nur leicht anfgepflügt, nur schlecht gedüngt war meistens seinFruchtboden, und gewöhnlich mit Obst-, noch mehr mit Wald-bäumen hin und her besetzt, an welchen sich die Wcinstöcke hinan-winden mußten, deren Schatten und Wurzeln den Saaten dieHälfte der Nahrung raubten.
Erdäpfel, das köstlichste Geschenk Amcrika's, und köstlicherals alles Gold, so es aus seinen Minen Europen gibt, sind demitalienischen Schweizer noch heute so fremd, als sie es dem Deut-schen vor fünfzig Jahren gewesen. Durch den Anbau dieser nahr-haften und gesunden Erdfrucht ist eine Hungersnoth in unsermWelttheile fast zur Unmöglichkeit geworden. Aber an den Uferndes Tessin wird das edle Gewächs, ungeachtet trefflichen Ge-deihens im leichten, fruchtbaren Boden, nur sparsam gepflanzt.Unwissenheit und Gewohnheit verdrängen es; man begnügt sichmit der alljährlichen, sehr unsichern Kastanien-Aernte.
Doch selbst die Kastanienwälder, welche den ärmer» Tesstnerneine Zeit lang alltägliche Nahrung gewähren müssen, sindmit geringer Sorgfalt gehegt. Schweine, Schafe und Ziegen trei-ben hinein, zertreten und zerwühlen den Nachwuchs, und schälendie jungen Stämme.
Nur in dem glücklichsten Jahrgänge können die Wein-Aern-ten der italienischen Schweiz alle Bedürfnisse bestreiten. Sie wür-den es immer können, sobald hier der Rebbau mit jener Müheund Kunst betrieben würde, welche man in den rauhern Theikender Schweiz bewundert. Himmel und Erdreich begünstigen die