9
habender Häuser in demjenigen Unterweisung genossen, was dieMönche Grammatik, Humaniora, Rhetorik und Philosophie nann-ten.- Wer aber vertraut ist mit der Lehrart und den wissenschaft-lichen Gegenständen, wie sie in Klöstern gewöhnlich sind, wirdohne Mühe errathen, daß selten jene Stiftungen zur Erwerbungnützlicher Einsichten für das bürgerliche Leben leiten konnten. Diemathematischen und physikalischen Wissenschaften erfreuten sich kaum,oder nie eines Altars. Ein eingeschränkter, mönchischer Geist ver-hinderte die Vielseitigkeit der Ansichten. Klösterliche Pedanteriemußte die Stelle der Gründlichkeit vertreten.
Wer nicht auf Reisen und durch Aufenthalt in fremde» Ländern,oder auf den hohen Schulen Italiens seine Bildung vollendenkonnte, blieb unbeholfen mit den glänzendsten Talenten zurück.Wie wenig es aber zu allen Zeiten diesen Gegenden an geistvollenMännern mangelte, beweiset die Reihe angesehener Künstler undGelehrten, die im weltlichen und geistlichen Stande aus ihnenhervorginge», und in den Staaten Italiens bedeutende Rollenspielten, durch glückliche Verhängnisse geführt. Lugano besondersist von Alters her das Mutterland achtbarer Namen gewesen.
4 .
Der Ackerbau blieb ungemein vernachlässigt. Es fehlte nichtan Händen, ihn mit Nachdruck zu treiben; auch waren es nichtallzugroße Abgaben, welche dem Landmanne mit den Früchten derArbeit den Muth für sie entrissen. Vergebens hatte die Naturdies südliche GebirgSland mit Fruchtbarkeit ausgestattet. Die üp-pigen Accker der tiefer liegenden Ebenen sind oft mit sechs bisacht verschiedenen Saaten und Pflanzungen, die eine um dieandere reifen, Zugleich bestellt. Aber der italienische Schweizer