Sonimermonden, und den langen Winter hindurch vier bis fünfSchuh tief im Schnee vergraben. Selbst manche der hochliegendenDorfschaften sondert des Winters Härte oft mehrere Monate langdurch aufgcthürmte» Schnee von der übrigen Welt ab. — Adler,Wölfe und Bären beleben die große Einsamkeit.
Weiter unten vermehren sich bald die menschlichen Wohnungen.Kleine, zerstreute Dörfer mit ihren Kapellen schweben an den Hal-den des Gebirgs. Die ordnende Hand des Menschen hat Wegegebrochen, Felder umzäunt, Gärten über Fclscnhängen geschaffen.Doch immer ist hier noch der Himmel rauh, der Sommer kurz,die Erde wild. Das ausgesäete Getreide, vor der vollkommenenReife schon vom Winter übereilt, muß noch halbgrün abgcschnitten,und an hölzernen Gestellen, Rescancn genannt, zum Dörrenaufgehängt werden.
Die Bewohner dieser hohen Gegenden nähren sich von ihrenHeerdcn. Ihre Sitten sind einfach, wie aller Aelpler. Noh undinuthlg, aber bieder und herzlich, habe» sie mit den Italienernfast nichts, als die Sprache gemein. Sie sind starken, kräftigenWuchses und frischer Farbe. Ihre Hütten stehen von Tannen- undLerchenstämmen erbaut, und die Schindeldächer mit Steinen gegendie Gewalt der Stürme beschwert.
Unter den Nadelwäldern nehmen allmälig hellere Laubgchölzeund mannigfaltigere Vegetation den Anfang. Buchen und Kastanicn-bäume umgrünen den Fuß der Berge. Die Dörfer werden an-sehnlicher und weiter. Aecker und Weinberge umgeben dieselben;jene vermögen schon zwei Aerntcn im Jahre, Walzen im Brach-mond, Haidekorn im Wintermond. Maulbeerbäume und Feigengedeihen freiwillig. Bald, je tiefer er gegen Süden steigt, gehtder Wanderer im Schatten der Lorbeeren, Oliven und Zypressen.Orangen reifen im Freien. Der Weinstock schlingt seine Siebenvon Baum zu Baum, natürliche Lauben zu bilden. Der Duft