188
.... ^
wollte nicht streiten z» Gunsten eines gebieterischen Fremdlingsgegen das Volk, mit welchem cs seit Jahrhunderten in engerVerwandtschaft zu leben gewohnt war. Es sehnte sich versöhnt znsein mit den Brüdern. Man sah hin und wieder Thränen zitternin den Augen derer, die sich einst als Freunde liebten und erkann-ten, nnd jetzt einander den Tod rüsteten.
Die Anführer der Truppen von beiden Theilen traten in Unter-redung. Die Waldstätter forderten freien Durchzug über Sarnengegen den Brünig. Ein Standslänfer flog mit dieser Forderungzu der obwaldischen Negierung im Hauptorte Sarnen, und nochehe er heim kam, war zwischen den Truppen schon die alte Brü-derschaft hergestellt. Die vorher Kampffertigen drängten sich freund-schaftlich unter einander. Es war nicht mehr an Widerstand zugedenken. „Wir fechten an eurer Seite, liebe Brüder," riefendie Obwaldner, „nnd behalten unsere alte, liebe Verfassung!"
Die Regierung in Obwalden, welche, ihr Land vor den Gräuelndes Kriegs zu bewahren, beim Anblick der Uebermacht Frankreichsnnd der stürmischen Auflösung, der Eidgenossenschaft, das Volk zurAnnahme der neuen Verfassung hatte bereden können, sah jetzt,bei der allgemeinen Stimmung des Volkes, ihre Entwürfe eitel.Sie sandte den Waldstätter» entgegen, und bewilligte den Durch-zug zum Brünig, welchen sie nicht wehren konnte.
Aber die Waldstätte, damit nicht zufrieden, forderten das Volkzur LandSgcmeinde, daß es sich frei erkläre, ob es geneigt sei, denFranken nnd der neuen Konstitution, oder der alten Verfassung nndden Schweizern beizustehen.
Die Antwort des Volkes war vorauszusehcn. Während sichdie Eidgenossen beschäftigten, die Gcbirgsschlüchte des BrünigS zubesetzen, sprach das Volk von Obwalden in der Landsgemeindeseine Verwerfung der neu-helvetischen Konstitution aus.