Druckschrift 
20 (1852) Der schwarze Zwerg und eine Sage von Montrose
Entstehung
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

191

wissensvorwurf und Menschenhaß von jetzt an eine unbegrenzteHerrschaft einnahm. Sein Leben war jetzt abwechselnd daseines Einsiedlers und Pilgers; er erlitt die strengsten Ent-behrungen, nicht in ascetischer Andacht, sondern im Abscheuder Menschen. Dennoch haben die Worte und Handlungeneines Menschen niemals einen so weiten Unterschied geboten,noch war ein elender Heuchler jemals sinnreicher, um guteBeweggründe schlechten Handlungen unterzuschieben, wie die-ser unglückliche Mann, um ein Verfahren, welches aus natür-licher Großmuth und mildem Gefühle entspringt, mit denabstrakten Grundsätzen des Menschenhaffes in Einklang zubringen."

Dennoch, Herr Ratcliffe, beschreiben Sie mir die Wider-sprüche, die Unbeständigkeiten eines Wahnsinnigen."

Durchaus nicht," erwiderte Ratcliffe,ich beabsichtigenicht zu bestreiten, daß die Einbildungskraft dieses Herrnverstört ist; ich habe Euch schon gesagt, daß sie bisweilen inheftige Anfälle ansbricht, welche der wirklichen Geistesver-wirrung nahe kommen. Ich rede jedoch nur von seinem ge-wöhnlichen Geisteszustand; derselbe zeigt Unordnung, aberkeine Verstörnng; die Schattirnngen zwischen beiden sind all-mälige, wie solche, welche das Licht des Mittags von derMitternacht trennen. Der Höfling, welcher sein Vermögenzu Grunde richtet, um einen Titel zn erlangen, der ihm kei-nen Nutzen oder keine Gewalt einbringt, wovon er keinenpaffenden oder achtbaren Gebrauch machen kann der Geiz-hals, welcher nutzlosen Reichthnm aufhäuft, und der Ver-schwender, der ihn wegwirft sie haben Alle eine gewisseSchattirung des Wahnsinns. Dieselbe Bemerkung läßt sichaus Verbrecher anwenden, welche Scheußlichkeiten begangenhaben, während die Versuchung zn denselben nach der Er-