Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
340
Einzelbild herunterladen
 

3i0

6 ,

Der Mensch denke,

Gott lenkt.

Die Rekruten machten nur kleine Tagreisen. Nachdem sie inPotsdam eingezogen und gemustert waren, wurden sie verschiedenenRegimentern einverleibt. Wilmson kam unter die Garde zu Fuß.Er fügte sich geduldig in Alles; erlernte die puppenhafte Stellung,die Handgriffe mit dem Gewehr, Links- und Rcchtsschwcnkcn schnell :ward in die blanke Uniform eingcklcidct und versah bald den Dienstgleich Andern. Wie wenig er sich auch Mühe darum gab, gewanner in kurzer Zeit die Aufmerksamkeit und Gunst der Hauptlente.Er war ohne Widerrede der schönste Mann im ganzen Ncgimente.wenn auch nicht der längste. Sein Ton, sein Anstand, seine feinenSitten verriethen bald, daß er aus gutem Hause sei. Man unter-schied ihn von den Andern. Seine mannigfachen Kenntnisse blie-ben nicht unbemerkt. Die Hauptlente benutzten ihn. Er mußtebei vielen Schreibereien und Rechnungen helfen. Er trug unterder groben Soldatcnuniform das feinste Linnen. Er machte großeAusgaben, bald seinen Kameraden einen frohen Tag z» schaffen,bald Nothleidenden Trost zu bringen, denen mit Geld zu helfenwar. Dies Alles erwarb ihm eine Achtung unter den Obern, wiesic sonst dem Soldaten nicht zu Thcil wird. Er empfing sogarErlaubniß, ein eigenes Zimmer zu bewohnen; und damit war unterdiesen Verhältnissen sei» höchster Wunsch gewährt. Er richtetesich niedlich, aber einfach ein. Man wußte wohl, er sei widerseinen Willen und auf des Königs unmittelbaren Befehl unter dieSoldaten gebracht. Viele Andere beim Regiment waren auf ähn-liche Weise dahin gerathcn. Aber Keiner schien mit seinem neuenStande schneller versöhnt zu sein. Er selbst äußerte bei jedem Anlaß