Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
313
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Ach, ich trage Leid um meine Mutter!" seufzte sie, und mitleiserer, zitternder Stimme:um meine gute Mutter! DenSchmerz keuneu Sie vielleicht nicht."

Ich werde ihn nie kennen, denn meine Mutter starb mir, cheich sie selbst kannte. Aber mit doppelter Inbrunst liebe ich dafüreinen Vater . . ."

O, Sie sind glücklich! Schon als Kind verlor ich den Vater.Ich bi» eine Waise nnd stehe recht allein unterm Himmel."

Der schmerzliche Ton in diesen Worten klang in allen seinenNerven wieder. Mag immerhin die Schönheit mit ihrer Sieges-macht das bewundernde Wohlgefallen fesseln, oder die geheimeKraft der Anmuth ein Herz voller Liebe entzünden: schneller wirktder heilige Schmerz des Mitleidens und gewaltiger, als jene.Denn er zieht das wohlwollende Gemüth auch dem zu, was ansich nicht, als etwas Gefälliges, das Urtheil der Augen bestechenkann, und söhnet sogar mit dem Feinde aus. Der Jüngling fühltein diesem Augenblick sein Wesen vom süßen Weh des Mitleidsdurchschaucrt. Wie gern hätte er ein tröstendes Wort gewagt;wie gern eine Frage mehr gcthan, um die Lebensvcrhältnisse seinerliebenswürdigen Begleiterin besser durchblicke» nnd eine helfendeHand biete» zu können! Aber seiner eilfertigen Gutmüthigkcitwidersprach das Zartgefühl und die Furcht, durch Zudringlichkeitnur Wunden anfzureißen.

Indem er noch mit sich selber kämpfte, that das Mädchen nebenihm einen heftigen Schrei und ließ seinen Arm jählings fahren.

O mein Gott!" rief die Erschrockene mit Thränen im starrenAuge:Nun ist mein Unglück vollendet!" Und sie warf bei de»Worten ihre ängstlichen Blicke suchend umher und mühte sich ver-gebens, im drängenden Menschengewühl still zu stehen.

Was ist Ihnen geschehen?" fragte der junge Wilmson hastig.