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Karl vvn Bonstctten an H. Zschokke in Aarau.
Genf, 10. Dezember 1829.
-Den heiligen Besuch der pierischen Jungfrau habe ich
in seiner ganzen Würde gefühlt. — Lieber Herzens-Zschokke, ichwollte zwar erst ei» wenig Scherz treibe»; aber Ernst ergreift mich,dasi Sie sich selbst oder Leutchen in der Schweiz Sic, mit einemSpiclmann vergleichen, der in einer Schenke siedelt. — Scclentodist das ärgste Uebcl, und Sie sind einer von den Weckern derer,die bei uns gähnen. Ihre Erzählungen sind Acthcrfläschchen fürSchlafsüchtigc. Wann können wir in der Schweiz sagen, was Taci-tns unter einem Kaiser: rnrn loinpnrnin ivliciias, rilii svniirsciuirl velis, c>> quav seniins rUeorvIicoi? Was uns fehlt, ist dassvnlirs. Daher kömmt, daß die Bessern nicht schreibe», weil ihreGedanken den harten Boden fühlen. Alles, die Empfindung wel-kende, Schöne ist Noth für uns Schweizer.
Sie sagen: Ihre Erzählung sei zum Thcil wahr? Aber Ihrelustige Tante Sara ist ja auch wahr*). Eben hat man hier einealte Jungfrau geheilt, wie Sie die Tante Sara. — Sie sind einprächtiger Mann, am wühlenden Ameisenhaufen fortzudcnken, wiean dem Olymp. Ich verstehe diese Kunst gar nicht. Sobald ichin einem Winkel eine unharmonische Seele fühle, fallen alle meineGedanken zusammen. Sv wie ich liebe, oder mitfühle, erwachtmeine Seele bis zur Begeisterung. Darum sind mir die Zschokke'salle lieb. Sic tragen mich auf ihren Flügeln in die Pracht derGedankenwelt. Nichts ist seltener, als wahres Mitgefühl. ODu-mont, um den ich tranre, die Stacl, die Pictets, Johan-nes Müller — wie entblättert stehe ich schon da! Wunderbargenug, daß eine zwanzigjährige Anastasia die Freundschaft solcher
*) Anspielung auf die Erzählung: „das blaue Wunder."