erwarteten Befehle seiner scheuen Gebieterin; schickte die Knechtein aller Stille voraus; packte seine Sachen; schrieb einen AbschicdS-brief an seine Aeltern, worin er ihnen sagte, daß er sich undihnen durch plötzliche Abreise den Schmerz des mündlichen Lebe-wohls ersparen wollte, und ließ folgenden Tages den Brief zurück,als er Nachmittags fortritt, unter dem Vorwände, einen Freundin Lausanne auf einige Tage besuchen zu wollen.
Weit aber ritt er nicht, sondern bis zu einem Waldhansc,wo einer seiner Knechte mit einem Handpserdc für Helena aufihn wartete. Mit dem Schlage zehn Uhr des Nachts war erwieder vor dem Thor von La Sarraz. Bald darauf erschienHelena. Sie war als Knabe gekleidet, einem jungen Reitknechtähnlich, in einen Mantel gehüllt. Olivier hob sie aufs Noß.Man trabte davon. Zn der Morgenfrühe fand man die voraus-geschickten Knechte mit wohlgeruhten Pferden am bestimmten Orte.Olivier und Helena bestiegen die frischen Rosse und setzten ihrenWeg eilfertig fort. Erst gegen Abend ward in einem Flecken Haltgemacht, in einem engen GebirgSthalc. Gern wäre Olivier nochbis zum nächsten Städtchen mit seiner Geliebten gezogen, um ihrbequemere Herberge zu schaffen. Allein Helena schwor, >sie sei soermüdet, daß sic, noch einen Schritt weiter, den Geist aufgebenmüsse.
Es war ihr wohl zu glauben. Sie ließ sich in das Wirths-hauS mehr tragen, als führen. Zufrieden mit einem kärglichenNachtessen, verlangte sie zugleich ein eigenes Zimmer und Nacht-lager. Man beschloß, mit Tagesanbruch die Reise sortzusetzcn.Helena schloß ihren Befreier dankbar noch einmal in ihre Arme,und begab sich in das bestimmte Gemach.
Olivier, von zwei schlaflosen Nächten und dem langen Rittnicht minder ermüdet, warf sich in seinen Kleidern aufs Bett, nach-dem er Degen und Pistolen vorher auf jeden Fall bereit gelegt