518
Dankbar benutzte sie daher die paar Minuten des Zwischen-raums, um über die Gutmüthigkeit und Gewandtheit des zu-vorkommenden Försters Betrachtungen anzustellen, und viel-leicht daran zu denken, daß er eben so vernünftig gehandelthätte, zu warten, bis sie zur Quelle käme, damit er sichgleich für seine Mühe einen persönlichen Dank holen könne.Aber dann fiel cs ihr ein, daß ihn der verhaßte Tomkinsim Jägcrhause zuröckhielt, und ehe sie den Independenten beiihm sehen wollte, entsagte sie lieber dem Gedanken, dem Jo-colin zu begegnen.
Als sie nun gerade in diesen Gedanken vertieft war, warFortuna boshaft genug, den Tomkins zur Quelle zu schicken,und zwar ohne Jocolin. Als sie seine Gestalt den Weg ver-dunkeln sah, auf welchem er kam, da schlich sich die ängstlicheBetrachtung in den Busen des armen Mädchens, daß sieallein im Bezirk des Waldes sei, dem sich in der Dämme-rung Niemand nahen durfte, um das Wild nicht in seinerRuhe zu stören. Doch faßte sie Muth und beschloß, ihreFurcht nicht zu zeigen, obgleich, als der Beamte sich nahete,etwas in den Blicken und Augen des Mannes lag, das kei-neswegs geeignet schien, ihre Ahnung zu verscheuchen.
„Der Segen des Abends auf dich, mein schönes Mädchen,"sagte er. „Ich begegne dir, wie der erste Diener des Abra-ham, der ein Haushofmeister war, wie ich, der Rebecca, derTochter Bethuels, des Sohns der Milka, bei dem Brunnen inder Stadt Nahor in Mesopotamien. Soll ich daher nicht zudir sagen: neige deinen Krug, auf daß ich trinken kann?"
„Der Krug steht Ihnen zu Diensten, Mr. Tomkins," er-wicderte sie, „und Sie können trinken so viel Sie wollen;aber wie es mir scheint, haben Sie vor noch nicht langer Zeitein besseres Getränke gekostet."