517
durch den der Natur. Diese Gleichgültigkeit brachte ihrenneuen Liebhaber entsetzlich auf, und bewog ihn zu dem Ent-schluß, Zeit und Ort ängstlich abzuwarten, wo er mit Auf-merksamkeit gebietender Energie seine Bewerbung anbringenkönne. Fortuna, die boshafte Göttin, die uns sehr oft da-durch zu Grunde richtet, daß sie uns den Gegenstand unsererWünsche gewährt, verschaffte ihm endlich eine Gelegenheit, wieer sie längst gesucht.
Es war um Sonnenuntergang oder kurz darauf, als Phöbe,von deren Thätigkeit vieles im Hause abhing, nach dem Ro-samnndenbrunnen ging, um Wasser zu dem Abendessen zuholen, oder vielmehr, um das Vorurtheil des alten Ritterszu befriedigen, welcher glaubte, daß die berühmte Quelle dasauserlesenste Getränk liefere. Und so groß war die Achtung,welche die ganze Familie vor ihm hatte, daß einen seinerWünsche zu vernachlässigen, ihrer Meinung nach, fast dem Brucheeiner religiösen Pflicht gleich kam.
Den Krug zu füllen war, wie wir wissen, neulich ein un-angenehmes Geschäft gewesen; aber Jocolins Gewandtheithatte es in sofern leichter gemacht, daß er einen Theil derverfallenen Fronte der alten Quelle wieder herstellte, so daßdas Wasser sich sammelte und durch eine hölzerne Rinne un-gefähr zwei Fuß hoch herabträufelte. Daher konnte einMädchen ihren Krug unter die langsam herabtriefende Quellestellen, und ohne sich selbst zu bemühen, warten, bis das Ge-fäß gefüllt war.
An dem Abende, von dem wir sprechen, sah Phöbe Mai-blume zum erstenmal die kleine Verbesserung. Mit Recht be-trachtete sie es als eine Artigkeit ihres waidmännischen Ge-liebten , die darauf berechnet sei, ihr die Mühe zu ersparen,ihr Geschäft auf eine unbequemere Weise zu verrichten.