Zweites Kapitel.
O Vater a» der Tochter Seite
Fühlst du nur halb des Lebens Müh'n;
Dienst du dem Schicksal felbst,jur BeuteDu siehst dich in der Tochter blüh'n.
Als der militärische Redner seine Predigt geendigt batte,wischte er den Schweiß von der Stirne; denn des kühlenWetters ungeachtet war er von der Heftigkeit seiner Redeund seiner Bewegungen erhitzt. Dann stieg er von der Kan-zel herab und wechselte einige Worte mit dem Korporal, derden Haufen anführte. Dieser nickte als wäre er damit ein-verstanden, zog seine Leute zusammen und ließ sie in Ordnungnach ihren Quartieren in der Stadt abmarschiren.
Der Redner selbst aber verließ die Kirche, als wäre garnichts Außergewöhnliches vorgefallen, und spatzierte durch dieStraßen von Woodstock mit dem Wesen eines Fremden, dereine Stadt besieht. Auch ließ er sich es gar nicht merken,daß er sehr wohl sehe, wie ängstlich ihn die Bürger beobach-teten, und sich gegenseitig zuwinkten, als wollten sie damitsagen, man müsse sich vor ihm als vor einem gefährlichenund verdächtigen Menschen in Acht nehmen.
Er aber schritt feierlich und steif einher, und seine Zügeverriethen einen Menschen, der über die irdischen Dinge, diesich ihm aufdringen, unwillig scheint, weil sie seine Gedankenfür einen Augenblick den geistigen Betrachtungen entziehen.Denn diesen Leuten waren selbst unschuldige Vergnügungenverdächtig, und unschuldige Fröhlichkeit war ihnen zum Greuel.