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Herr Rüdiger horchte zum andern Male hoch auf, als er dastrauliche Du der Begutte gegen seine» Sohn hörte. Er betrach-tete Beide; dann sah er den Lollharden bedeutsam an und sprach:„Will mich's doch schier bedünken, treues Bruderherz, daß unsereKinder sich ans derselben Stätte schon begegnet sind, wo sich un-sere Wünsche vor wenigen Tagen durchkreuzten."
— Laß die Vorsehung walten! crwicderte der Lollhard ernstund warf eine» forschenden Seitenblick auf sein Kind.
„Fräulein," redete Herr Rüdiger zu Veronika, „pflanzet dieletzten Blumen in den schonen Freudengarten, zu welchem michdie großmüthige Freundschaft Eures Vaters geführt hat."
Veronika blickte, indem sie beide Hände auf ihre Brust mitInnigkeit legte, erst ihn an, dann zum Himmel mit stiller In-brunst, als wollte sie sagen: „O wie gern, o daß ich's könnte!"
„ Wollet Ihr mir alten Mann erlaube»," fuhr Herr Rüdigerfort, „daß ich Euch das Du gebe, welches Ihr meinem Gangolfvergönnet? Wollet Ihr auch meine Tochter sein?"
Veronika erhob sich in liebreizender Demuth von ihrem Sitze,ging zum Sessel des Greisen, kniete vor ihm hin, nahm seineHand und küßte sie. Er beugte sich über sie herab, küßte ihreStirn, blickte mit thränenvollem Auge erst den Lollhard, dannwieder seinen Sohn an, der »eben ihm saß, ergriff schweigenddessen Hand, legte sie in die Hand Vcronika's, und rief mit beben-der Stimme zum Lollhard, der ihm zur Rechten saß: „Es willmir mein Herz brechen. Komm, mein Bruder, und segne sie!"
Gangolf, als er Vcronika's Hand in der seinen fühlte, sankneben der Begutte vor dem Vater auf die Knie, küßte erst dieHand desselben, dann schlang er beide Arme um Veronika undzog die Zitternde an sein Herz. Der Lollhard erhob sich ernst vomSitze. Die Thür öffnete sich; Jsenhofcr trat herein. Die lleber-raschnng des Anblicks hemmte seinen Schritt.
Zsch. Nov. V. t3