379
Wirrung, Liebe und Bangigkeit malten sich in den Zügen ihresAngesichts, als sie mit stummflehenden Augen ^u ihm aufblickte.Seine Lippen berührten die unentweihten der Jungfrau. „MeineVerlobte, meine Braut!" flüsterte er ihr tm reinsten Entzücken.
Sie antwortete: „Meine Seele in Gott, ja denn, sie sei dieBraut deiner Seele. Fern sei jeder unheilige, irdische Gedankevon uns!"
— Und nie mehr verlassest du diese Burg, Veronika! sagte er.
„Nie weicht meine Seele von deiner Seele, bis eine Sündezwischen uns beide tritt! " erwiederte sie ruhiger und voller Hoheit:„Mein Geist wird auch in dem deinigen leben, wenn ich schonnicht inner diesen Mauern wohne, sondern mit töchterlicher Liebedie Schritte des Vaters, ferne von dir, begleite. Vergiß nie,nur die Verlobte und Braut deiner Seele darf ich sein! AndereGedanken entferne ewig."
Gangolfs Bestürzung war bei diesen Worten unbeschreiblich.Er ließ die Hand Veronika'S fallen und sagte: „Wie denn, meineVeronika? deinem Vater in die Ferne folgen? Du, meine Braut,nicht meine Gemahlin vor Gottes Altar?"
Sie schüttelte zärtlich lächelnd das Köpfchen und erwiederte:„Meine Seele bleibt in der deinigen; nicht Entfernung, nichtTod sollen sie von dir scheiden. Aber des Irdischen eütschlagedich, Freund meines Lebens. Das Irdische haben wir beide Gottgeopfert. Nichts von Altar, nichts von Vermählung! In gött-lichen Verhältnissen gehen die weltlichen unter."
Es würde vielleicht noch tausend Andern an Gangolfs Stelleergangen sein, wie ihm. Er hörte mit traurigem Erstaunen dieWorte der Begntte, die, wie eine Heilige ans fremden Welten,vor ihm stand, in der nichts Irdisches mehr zu leben schien, unddie dasselbe sogar nur wie eine Trübung ihres reinen, himmlischenGlanzes betrachten konnte. Es war umsonst, daß er seine natur-